Foto: Susanne Schleyer 
Sascha Anderson:
Jeder Satellit hat einen Killersatelliten
Gedichte Mit sieben der Zeichnungen aus
"Haben und Soll" von Ralf Kerbach.

Neue, um vierzehn Gedichte aus den Jahren 1970 bis 1980 ergänzte Auflage, mit einem als Druckbogen eingelegten biografischen Vers-Essay und einer CD mit Musik von "fabrik" und "zwitschermaschine" aus den Jahren 1982 bis 1986.

Edition qwert zui opü 112 Seiten und 16 Seiten Bogendruck; 24 €, 44,50 SFr
ISBN: 3-933149-08-8,
Warenguppennummer: 1 150
 

Jewish Jetset

Herbst-
zerreißen


Rosa Indica Vulgaris 

Sascha Anderson, 1953 in Weimar geboren, lebt in Berlin. 
Er veröffentlichte bisher 5 Bücher: "Jeder Satellit hat einen Killersatelliten", Gedichte von 1970-80; "Totenreklame, eine Reise", Gedichte und Notate von 1981-83; in dem Buch "Waldmaschine, Übung vierhändig" (mit Michael Wildenhain) das Theaterstück "Die Erotik/der Geier" aus dem Jahr 1984; "Brunnen, randvoll", Erzählungen und Gedichte von 1985-88; sowie "jewish jetset", Gedichte von 1989-91. Die ersten 4 Bücher erschienen im Rotbuch Verlag Berlin, ausgestattet mit Zeichnungen von Ralf Kerbach, das letztere 1991 im Druckhaus Galrev Berlin mit Zeichnungen von
A. R. Penck. 
 
Presse: 
"Anderson schöpft aus seiner Erinnerung. Erinnerung ist die Mutter der Musen. Doch auch hier sinkt er nicht zu tief und entzieht sich dem kollektiven mystischen Sumpf. Kein Fehltritt im Keller, weder Ersticken noch Freischaufeln;... Wohl kaum zwei Texte vergehen, in denen nicht über der Schuld der Worte der Wunsch zu Schweigen geäußert wird. Das Lamentieren wird zum Sujet erhoben. Und um diesen Stolperstein kommt auch Anderson nicht herum, doch der beigefügte Text zum Thema ist kurz und, letztendlich, positiv zu lesen. Um es einfacher und einfach klassisch zu sagen, sei Plato zitiert: "Wenn man Werke sieht, die von irgendjemanden geschrieben wurden, darf man annehmen, daß sie für diesen nicht die tiefste Sache waren, wenn er wirklich tief ist, und daß diese tiefste Sache dem edelsten Bereich seiner Person angehört; Aber wenn er wirklich die Frucht seiner Tiefe niederschreibt, dann ist es sicher, dass nicht die Götter, sondern die Sterblichen ihm den Verstand geraubt haben. Dies ist bei Anderson nicht der Fall, zu persönlich die Themen, zu hellsichtig der Verfasser, zu dunkel der Keller, und dessen ist er sich bewußt. 
Kreuzer, Leipzig, 7/91 über "Jewish Jetset" 
 
"....Jeder Satellit hat einen Killersatelliten" von 1982, das Buch, das Andersons Dichtung, auch im Westen, zum Begriff werden ließ. Den durchaus spektakulär zu nennenden Erfolg seines ersten Buches hat er nicht wiederholen können;..." 
Kling, Raketenstation Hombroich.
Die Tragik der Geschichte ist in der Sprache gut aufgehoben, sagt Jennifer, die mir Andersons Buch geliehen hat; ich glaube, sie hat Recht. 
(Aus: Stadt-Revue, Köln; 6/91)
"... Mit "Herbstzerreißen"legt Anderson seinen dritten Lyrikband nach 1989 vor. Der Titel klingt nach
Herz - Zerreißen, nicht zufällig. Der Autor, Jahrgang 1953, ist sich selbst ein biographisches Rätsel, dem spürt er nach, in dem er Fährten legt, - für
die  eigene Seelen-Kunde und für die Nachrichten-Häscher der Außenwelt.
(...)
An diesem Gedichtband ist nichts
zufälliges, kaum überflüssiges - das
ist selten in diesem Genre. Es ist die neue Ernsthaftigkeit und Dichte der Verse, die diesen Lyrikband zu einem
Ereignis machen. (...)
In der Abteilung "Elegien" geht Anderson ans biographisch Eingemachte. Er spricht von einer "Grenze" nach außen,die ihm "einstürzt" ("E VIII"). Und er sagt:
"vor dem Gartenhaus stehen drei Birken,die heißen / Schuld und Sühne, ich weiß, welche die liebste mir ist."
Das "Liebste" ist ihm ein Drittes, das in Debatten kaum eine Chance hat.
Die Sprache der Rückschau-Debatten 
 - so läßt sich interpretieren - nennt Anderson im Essay "Uhrteile" eine so "perfekte" wie für ihn chancenlose: "Grund und Garant dafür, daß die Geschichte nicht anders wird als wie sie war". So sieht sich Anderson, der das Gedicht als "effektiven Fluchtpunkt" erwählt, von Jägern umstellt: "Bisher wollte ich einen Text, der im Auge des Betrachters sich subjektiv darstellt. Nun nicht mehr."
Und er zitiert den Philosophen Schelling in eigener Sache: Die tiefste Note des historischen Gemäldes bezeichnen die Jagdstücke". Den Einband des bibliophil gestalteten Buches ziert eine Jenaer Schißscheibe des Jahres 1830.
Es mag heute Anderson jagen, wer will. "Herbstzerreißen" ist ein Gedichtband für Leser, nicht für eifrige Bekenntnis-Fahnder - eines der eindruckvollsten Poesiealben des Jahres 1997
Christian Eger über "Herbstzerreißen"


Siebzehn Jahre nach der Veröffentlichung von "Jeder Satellit hat einen Killersatelliten" und sieben Jahre nach der Bestätigung des Stasivorwurfs kann man einen zweiten Blick auf Sascha Andersons ersten Gedichtband werfen. Vierzehn alte Gedichte sind neu hinzugefügt. In Weimarer Elegie (1981)
finden sich die Zeilen:"wer zahlt nun / den steigenden preis / für meinen sinkenden wert". Wie ein Seiltanz zwischen Prophetie und Selbstverrat liest sich heute manches wie "ich hab mich sattgefressen / am fleisch im widerstand". Jonglieren mit Uneindeutigkeit, zurückgenommene Verneinung, Paradoxien sind ein unabweisbarer Oberton, der alle Gedichte begleitet:"ich bin kein artist, ich mach kein spagat / ich häng mit meinem weißen hals im heißen draht". In die romantische Ironie von Liebe und der Literatur fällt mitunter bleischwerer Ernst, der fast immer den Tod als Zeugen aufruft:"ich bau mir meine mauer selber durch den leib / die eine hälfte fault sofort / die andere mit der zeit". Als Ort des Sprechens weist Anderson das Niemandsland zwischen Absurdität und "ostwestlicher die wahn" aus: "die zusammenhänge sind / einfach & irreal". 
 
Eine sarkastische Leichtigkeit des Seins vermittelt auch die zweite Lektüre der Liebesgedichte, und ein Gran Jung-Wertherscher Ernst weht aus "alle dinge liegen klar in meinem herzen" herüber. Andersons lyrische Melange aus Politik und Poesie entzog sich schon zu ihrer Erstveröffentlichung einer klaren Scheidung zwischen literarischer Betrachtung und Lektüre als politischem Schlüsseltext. Damals dachte man unangestrengte ,postmoderne' Dissidenz zu erkennen, heute glaubt man Verrat und Selbstverrat herauszuhören. Literaturkritik sui generis wird hier auf absehbare Zeit keinen neutralen Grund finden. Die Lektüre bleibt ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. 
Gabriele Dietze 
 
 
 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen das modell der schwarze vogel februar tanzt auf den wochen & ich habe angst dass er eines tages im august alles zurück dreht um es wieder september zu nennen 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen denn die gelegenheitsstunde an der weissen parkuhr unschuld hat zwei zeiger die jedes lied sechzig mal teilen & das ist auch das alibi für das ende der zeit 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen nichts wird vergessen werden denn der punkt am ende ist nach zwei der menschlichen seiten offen & nur auf den pfauenaugen taut der schnee zum mittag restlos 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen so dass mir nichts bleibt als an den abenden wenn ich der graue spiegel über dem wortefluss bin jenes schwarze recht eck nacht auf die namen & reime zu legen 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen zeugen wird es nicht geben mutter sag dass der krieg eine erfindung ist & alles wurde nur 
erfunden um in den spielhöllen die väterlichen taschen zu wechseln 
 
alle dinge liegen klar in meinem herzen das modell der weisse vogel november tanzt auf den wochen & ich habe angst dass er eines tages im februar alles zurück dreht um es wieder frühling zu nennen 
 
 
So wurde von keiner Berührung gestörtes in zweierlei Hinsicht 
Eins und das Selbe Betrachtend das Kind (die Ältern) 
mit griechischem Auge Was bleibt ihm denn praktisch übrig 
Das Haus ist zwar Turm und Echo kaum einer Hand voll Erde 
"Deutschland aber wo liegt es" Dort auf dem Berg den sie gruben 
In diese taubstumme Form des Himmels an Ilm oder Pegnitz 



Jewish Jetset 
Zeichnungen: A. R. Penck

80 Seiten; 10 €, 19 SFR,
ISBN 3-910161-08-1
 

Wie jegliches Geld hat jedes X-für-ein-U seinen Ort und seine Zeit, sollte man gemeinhin meinen, doch "zeit mit seinen kurzen dicken fingers" versext die Gemeinplätze; meuter fleuchen sie auf. Was Jenes anbetrifft, und die Tätlichkeit vor Ort; ein aufgewühltes Schriftwerk. Im Vergleich dazu hat Rainer Maria eine Sonnenbrille errichtet. Der Weg, vom Ort hin zur Art, in die Arten, steinerweichender Zeichen, Ortungen, mehrheitliche Orte, die uns kleideten, sind übriggeblieben und werden "durchgereimt" zum "Ort", der als Thema dem Ende im Weg steht, der zum Meer führt; in Süddeutschland hat der eingesprochene Fischfeind doch neulich aalglatt ("geschmeckt hat´s ne´") ein Fischbein verschluckt und ein Geschichtsbewußtsein, nervös schlug sein Bein das Tischbein - "ARCHITEKTUR AUS DEM BAUCH". Aufüberichten tut sich mir, ich verlese euren Text "verladerampe", der, aus entkleidetem Schweigen komponiert, nichts verschweigt und X-gleich-U raunt "deren stimme nie keinen verstärker braucht führt jetzt regie" dem Hochheiligen Paare; geworfenhaft, enigmatisk ergräulich und geradezu mechanistisch-mystisch, wie verschlungen auch immer, geradezu. Hiermit translatiert Sascha Anderson erstmals die Mitte. 
Mit den besten Empfehlungen für JEWISH JETSET 
Bert Papenfuss-Gorek



JEWISH JETSET
Von da hinabgesehen,wo wir uns ohne schulden treffen.
ein pferd mit sattel, doch sein reiter reitet nicht. und ich 
mich nicht mit mir und du dich mit von deiner Jugend unberührten 
interpreten NUR DER PAARIG GESPALTENE BERG 
SCHUHE. NUR 
            DAS
GEWALTIGE BABEL DER WEGE: NUR DIE HÖLLISCHE
            FLÜGELTÜR
EIN ELFEINHALBTAUSENDER das böse trägt von jetzt an keine 
            stiefel
mehr. zwar wachsen die gebete mit, doch werden sie nicht 
größer. so fand den weg der ort. wo ich vieh bin
war ich fleischtransport.
 
 
Sascha Anderson: Herbstzerreißen 
Gedichte 
mit Abbildung einer Schießscheibe, fester Einband, Fadenheftung 

72 Seiten; 12,50 €, 23,- SFR, 183,-
ISBN 3-910161-83-9
 
 
"Herbstzerreissen" - ein vergleichsweise unspektakulärer Gedichtbuchtitel, erinnert man sich an "Totenreklame", "Jewish Jetset" oder an "Jeder Satellit hat seinen Killersatelliten" von 1982, das Buch, das Andersons Dichtung, auch im Westen, zum Begriff werden ließ. Den durchaus spektakulär zu nennenden Erfolg seines ersten Buches hat er nicht wiederholen können; in den 80er Jahren erschienen seine Bücher wie nebenbei, waren immer da, andere, teils leichtfüßiger daherkommende berliner Dichter gerieten mehr ins Augenmerk - was schade ist, da die durchaus anstrengende Beschäftigung mit Andersons Gedichten lohnt. Auch in "Herbstzerreissen" ist die düstergestimmte Grundmelodie, die sein viriles Pathos trägt, stets unüberhörbar - das, was als Andersons Kennung bezeichnet werden könnte. Gehalten haben sich die hochkomplexen grammatischen Strukturen, die seinen - durchaus nicht! - "kahlen Bildern" ihren bitteren Griff umlegen, und die der Leserschaft ein hohes Maß an Konzentration abverlangen: "immerzu /Worte die von Bildern abgeleitet" sind, "sprechende Namen". 
Klarnamen wie Klopstock, wie Hölderlin, die der Dichter als Hilfsgeister herbeifleht. Ein Angeschlagener, schwer Getriebener ist der Verfasser der Abschieds- und Liebesgedichte ("Gier nach deiner Stimme, Gier nach Kunst"); Weimar, Rom, Agrigent sind die Einsteigerorte in die (Unter-)Welt von Sascha Andersons elegischen, selten nur sich dem Sentiment hingebenden Gedichte, die sich in "Herbstzerreissen" der Kleinschreibung enthalten. Traditionsbewußte Dichtung, die nur zu leicht als "hermetisch" denunziert werden könnte - denn: "beginnst / Du mitten im Vers / Anfang und Ende sind schlüssig". 
Kling, Raketenstation Hombroich 
 
 
 
 
E VII 
Wirst Du, Kartenhaus, mich mit dem dreiunddreißigsten 
              Deiner Bilder betrüben, oder ist es naiv 
Wenn die Grenze mir einstürzt, das Äußerste, zu wagen 
              das Medium, das Herz, für die noch schönere Münze 
Vor dem Gartenhaus stehen drei Birken, die heißen 
              Schuld und Sühne, ich weiß, welche die Liebste mir ist
 
 
Rosa Indica Vulgaris 
einunddreißig Gedichte
und ein halber Bogen Essay
 
mit Zeichnungen von A. R. Penck 
72 Seiten;

12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-910161-58-8 

Von diesem Buch erschien eine Vorzugsausgabe von 100 Exemplaren, mit einem Steindruck von A. R. Penck, signiert und numeriert. 

 
Rosa indica vulgaris, die gemeine Teerose, eine Rose, deren Blüte von einem noblen Rahmweiß bis zu einer wuchtigen Purpurfarbe geht, insgesamt von einer zarten Statur, aber mit fast geraden, pointiert sitzenden Dornen, in denen ein hellrotes Blut zu zirkulieren scheint. Eine Rose, die im ledrigen Glanz ihrer wie filigrane Verse gearbeiteten Blätter in Rom, in Italien einen wurzelnden, wohlklingenden Kontrapunkt zum schwebenden Licht setzt. Das Gedicht, das die Sprachrose ist, klimmt an einer unbedachten Säule, jener ragenden Ruine der idealen Existenz, die in jedermann zertrümmert zurückliegt, unbedacht. Mit ihrer scharfen und drohenden Kannelierung und ihren heillosen Brüchen wird sie der Poesie die Allegorie für den lebenswichtigen, immanenten Gegensatz im Schönen. Die Säule wird so mit dem Gedicht bedacht. 
Ernst August Grimm 
 
3D Elegie 
Leben in römischen Kreisen, bis sich die 
            Wellen beruhigen, 
wie man so schön sagt, inmitten der Zeit. Ach, 
             bliebe sie mir 
ein weiteres Wort vorzuwerfen den Hunden, 
            den vorwärts verwandten 
und durstigen Kehlen; ein Bild wie visitazione. 
            Einsther 
vom Stein aus und nicht von der via appia, a 
            moniment without 
a tomb, den Huren ein Schatten, der Nacht 
            entfallener Mond. 

 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger