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Modernismo Brasileiro
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und die brasilianische Lyrik der Gegenwart
- herausgegeben, übersetzt und mit einer Einführung versehen von Curt Meyer-Clason,
mit Zeichnungen von Leda Catunda
ca. 240 Seiten; 17,50 €, 32,50 SFR,
ISBN 3-910161-76-6
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Der Modernismo Brasileiro, ausgerufen im Jahre
1922 während der "Woche der Modernen Kunst in São Paulo", besaß
verschiedene Strömungen - die dynamistische, die nationalistische,
die spiritistische, die rasende, die unabhängige, für
die jeweils eine bestimmte Gruppe von Lyrikern verantwortlich zeichnete.
Beschränken wir uns indes auf die beiden Stammväter der Bewegung,
die Namensvettern Oswald de Andrade und Mário de Andrade. Mários
Postulate: "Freier Vers, freier Reim; Ersetzung intellektueller Ordnung
durch unbewußte Ordnung; Schnelligkeit und Synthese; Polyphonie.
Poesie: Maximum an Lyrismus plus Maximum an Kritik gleich Maximum an Ausdruck."
Oswald: "Die Poesie existiert in den Fakten. Karneval, Sertão und
Armenhügel. Barbarisch und unser. Die sonnenhafte Trägheit. Das
Gebet. Die stillschweigende Energie. Die Gastlichkeit. Sprache ohne Archaismen,
ohne Gelehrsamkeit. Natürlich und neologisch. Der millionenfache Beitrag
aller Irrtümer. Gegen den naturalistischen Scharfsinn: die Synthese.
Gegen die Nachahmung: Erfindung und Überraschung. Urwald und Schule,
Küche, Erz und Tanz. Vegetation, Brasil-Holz ... (Wichtiger
Ausfuhrartikel). "Wir waren kleine Gruppen", schrieb später der Kritiker
Sérgio Milliet. "Die einen strebten zur Politik, die anderen zur
Kunst, die dritten zur Philosophie: Vielfalt als natürlicher Ausdruck
der Bewegung."
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1926 spaltete diese sich politisch in eine rechte
und eine linke. Bei Mário de Andrade führte dies infolge seiner
kommunistischen Betriebsamkeit zur literarischen Verödung. Dennoch
gewann das politische Denken den Vorrang vor der Ästhetik bis zum
Ende des Zweiten Weltkrieges. Jedenfalls besagten die repräsentativen
Werke der Modernisten, was ihre Autoren wollten; die grundlegenden Autoren
indes, was sie nicht wollten. Somit blieb die Bewegung als Übergang
vom Modernismus zur Moderne offen für nachfolgende Metamorphosen,
die sich in vier einander ablösenden Phasen äußerten: Die
heroische Phase bis 1924; die primitivistische Phase, ausgehend von Oswald
de Andrades Brasilholz (1924); die Phase der Selbstbestimmung, in
der sich der Dichter aufgefordert sah, seine persönlichen und politischen
Themen auf eigene Weise zu gestalten; und endlich die konstruktivistische
Phase, in der versucht wurde, die vom Modernismus gepflückten Früchte
zu ordnen und das Gedicht als Artefakt, nicht als Ergebnis des Lyrismus
zu begreifen.
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aus dem Vorwort von Curt Meyer-Clason
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Alberto da Costa e Silva
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SONETT FÜR VERMEER
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Trauernd näht meine Großmutter auf der
Maschine
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und eine Wetterfahne weht mitten im Zimmer.
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Ich sehe ihr Gesicht, Schatten, den das Fenster
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gegen einen Hinterhof verunstaltet
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vergilbt von Sonne und Mosaiken. Auf dem Tisch
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die Schere, eine Reißschiene, einige Stoffreste
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und die regungslose Einsamkeit. Meine Großmutter,
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mit ihren blauen Augen beruhigt sie die Zeit.
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Meine Großmutter ist jung, schlank und nur
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die Reinlichkeit von allem. Ich träume sie in
ihrem
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schwarzen Kleid zu sehen, der weiße Kragen
gegen
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den schwarzen Hundekörper der Maschine:
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das Rad im Profil scheint unbeweglich
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und das Leben verbannt sich nicht in der Schönheit.
Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger
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