Foto: privat 
Walter Aue: Paradiso Terrestre
Die Spur zu Ezra Pound
Essays
mit 60 Polaroids einer Performance von Dieter Appelt
fotografiert von Walter Aue
140 Seiten;

22 €, 37,10 SFR, ISBN 3-933149-33-9
 

Am Ende des Lichts

Unterbrochene Orte

Auf freiem Fuß

Presse : 
Er halte ihn für den "vierten Erfinder der Fotografie", sagt Walter Aue, Autor zahlreicher Essays, die sich mit dem Werk Evgen Bavcars beschäftigen. Wenn Niepce, Fox Talbot und Daguerre die technischen Grundlagen gelegt haben, um die sichtbare Wirklichkeit abzulichten, dann ist Bavcar derjenige, der das Unsichtbare belichtet. "Und Bavcar wird immer anders fotografieren als jeder andere",  fährt Aue fort, "denn Bavcar ist blind."
(...)
Was Bavcars Interesse weckt, sind Geräusche, das lahme Schleifen eines Pappkartons, den ein alter Mann über den Bürgersteig zieht, das flatternde Rauschen aufsteigender Tauben, ein vorüberfahrendes Auto. Er hält die Kamera in die ungefähre Richtung und drückt auf den Auslöser. Den Bildern des promovierten Philosophen sei eine Jungfräulichkeit des unverdorbenen Sehens" eigen, meint Aue, die man künstlich nicht herstellen kann.
(...) 
Freunde müssen ihm erklären, was auf den Kontaktabzügen zu sehen ist. Erst in dieser Beschreibung werde das Bild vollendet, meint Aue. "Das ist eine ungeheure Provokation, dass ein Blinder andere das Sehen lehrt." Eine Provokation, die auch dem selbst erklärten Fährtensucher Aue keine Ruhe ließ, als er von Bavcars Wirken durch eine Zeitungsnotiz erfuhr. Mittlerweile hat er Dutzende Essays über den weltberühmten Fotografen veröffentlicht, dessen Frage "Was siehst du? " ihn immmer wieder zur Auseinandersetzung angeregt hat.
Kai Müller 
Der Tagesspiegel, 2.12.2002
 
..
 
Anfang des Jahres 1972 arbeiteten der Konzeptkünstler Dieter Appelt und der Literat Walter Aue in Venedig, Pisa und Rapallo an dem fotografischen Nachvollzug einiger biographischer Lebensabschnitte des amerikanischen Dichters Ezra Pound.
Dieter Appelt übernahm im äußeren Aussehen von Pound, seine Körperhaltung und Mimik vortäuschend, die Rolle des greisen Pound und es entstand an den authentischen Schauplätzen eine Bildkette von Standfotos, die aus der tatsächlichen Biographie von Pound stammen könnten aber in Wirklichkeit nur frei erfundene Szenen der beiden Autoren darstellen. Die Aufnahmen sind so perfekt „gestellt“, daß das flüchtige Bildgedächtnis des Betrachters die zwei Identitäten kaum zu unterscheiden weiß und als einheitliche Gestalt wahrnimmt.
Appelt in der Doppelrolle des Pound-Darstellers und Selbstdarstellers, und wie das Bildnis von Pound noch einmal lebendig wird, seinen eigenen Tod von 1972 überlebend, Pound vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der Calle Querini von Venedig, im Restaurant seines Viertels oder vor seinem eigenen Grab auf der Insel San Michele stehend, als wären die Fotos die wirklichkeitsgetreuen Bild-Dokumente eines Journalisten. Die Recherche dient als Täuschung, der jeweilige Originalplatz der Biographie als Ausgangspunkt fiktiver Handlungen, die Mögliche oder authentische Handlungen nachvollziehen oder ergänzen. Appelt und Aue besuchten u.a. die Landschaft des ehemaligen amerikanischen Militärstraflagers von 1945 bei Pisa, wo Pound wegen Hochverrats in einem eisernen Käfig gefangen gehalten wurde, und wo er seine „Pisaner Cantos“ schrieb. Sie besuchten das Haus von Pound in Sant´Ambrogio bei Rapallo, das Pound nach seiner Rückkehr von Washington bewohnte (nachdem er von 1946 bis 1958 eine zwölfjährige Inhaftierung im Hospital für kriminelle Geisteskranke überstanden hatte) und wohnten schließlich im gleichen Hotel Gran Italia in Rapallo, in dem einmal Pound mit seiner Ehefrau Dorothy Shakespear lebte. Sie fotografierten Pound vor dem Hotel-Interieur, inszenierten seinen Spaziergang zwischen den Ölbäumen seines Gartens und arrangierten am Ende seinen möglichen Tod: Das Ende von Pound, der sich Odysseus nannte.
So entstanden über hundert Schwarzweiß-Fotos und 60 Polaroids, die in Bild-Sequenzen geordnet, eine parallel verlaufende Biographie von Pound suggerieren, die in ihren besten Varianten mit dem wirklichen Lebenslauf (und Lebensende) Pounds identisch sein könnte. Walter Aue hat den Prozeß dieser konzeptionellen Idee in Form eines Tagebuchs festgehalten und vor Ort die Arbeitsweise von Dieter Appelt beobachtet und interpretiert.
 



„Wenn du alt bist, liegt die Vergangenheit wie ein dickes Glas auf der Gegenwart, lässt sie schwanken, verzerrt sie“, vermerkte Virginia Woolf. Und durch dieses Glas sehe ich Appelt in der Rolle des alten, todkranken Pound. Seine letzte Maske, die er verwendete: Herakles oder Odysseus. Der Eigenbrötler, der Einzelgänger, der Querulant und Spinner, in einer Phase des apokalyptischen Zweifels: Mit dem Stigma des Scheiterns behaftet. Ich sehe ihn noch, wie er auf dem Zattere, der langen Promenade gegenüber der Giudecca, langsam auf und ab geht. Ein Neuanfang war nicht mehr möglich, das Projekt der Moderne war abgeschlossen. Die Fackel verlöscht. Die innovativen Schübe verebbt, versiegt. Seine revolutionären Utopien und Wirklichkeitsüberwindungen längst vergessen – oder niemals bekannt. Für uns wurde er damals zu einer Art Leitfigur, ein belebendes Sinnbild für Grenzverschiebungen und Bewusstseinsveränderungen, für Widerstand, Ästhetik und Mitmenschlichkeit. Appelt und ich inszenierten ihn als visuelles, poetisches Lehrstück, als Lebenskunstwerk, was man heute gewiss als politische Performance bezeichnen würde. Als Gefühlskultur. Unvorstellbar: Ein Greis, ein Dichter, der die Sprache verweigerte und fortwährend an der eigenen Immaterialisierung arbeitete.



Walter Aue, Evgen Bavcar
Am Ende des Lichts
die Bilder des blinden Fotografen Evgen Bavcar 
mit Essays von Walter Aue
ca. 200 Seiten;

Edition qwert zui opü; ISBN 3-933149-23-1
17,50 Eur / 32,50 SFR 

ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst als 
SCHÖNSTES DEUTSCHES BUCH 2001



 
Der Berliner Autor Walter Aue, der auch als Förderer konzeptioneller Kunst bekannt ist, hat sich seit den 80er Jahren, als er dem blinden Fotografen Evgen Bavcar in Paris begegnete, zahlreiche Ausstellungen seiner Arbeiten in Hamburg, Köln und Berlin organisiert und Bavcar aufgrund seiner Katalogtexte, Hörspiele und Feature, die er über ihn schrieb, in Deutschland bekannt gemacht: Daß ein Blinder fotografiert und sogar als Dozent der Berliner Sommer-Akademie seinen Studenten das Sehen beibringen konnte, obwohl er seine eigene Fotografie niemals selber sehen kann, war für Walter Aue immer eine provozierende Herausforderung, um das eigene beschreibende Sehen infrage zu stellen. So entstand im Laufe der Jahre und aufgrund vieler gemeinsamer Arbeitsprojekte eine sich gegenseitig fördernde, tiefe Freundschaft zwischen den beiden, die jetzt zu diesem ungewöhnlichen Buch geführt hat, in dem neben den Texten von Walter Aue unveröffentlichte Arbeiten von Evgen Bavcar enthalten sind.



Nein, er will keine Wiedergabe der Realität: Keine Zeitgeistleere, keine wilde Selbstbezichtigung. Die Nachahmung und Addition des Sichtbaren ödet ihn an. Seine Bilder sind zuallererst die Bilder von Geräuschen, Ohrenbilder oder Erinnerungsbilder, schwarzweiße Grauwerte, verwackelte, zugeschüttete Gegenständlichkeit, richtungslose Identitäten.
Das In-die-Irre-gehen eines Blinden hat für uns einen besonderen Reiz: Wir erwarten, das er uns etwas mitbringt aus dieser Irre, aus diesem erbarmungslosen Dunkel seiner Blindheit. Die Spinngewebe von Kinderängsten sobald man sich die Augen zubinden ließ, jener letzte Krümel Licht, bevor sich die Kellertüren schlossen.
Evgen Bavcar ist ein Fotograf, der uns permanent ein schlechtes Gewissen macht: Weil wir sehen, was er nicht sieht, der Ewighungernde, während wir in der täglichen Bildübersättigung zugrunde gehen, an Überfluß verkrüppeln, erblinden. Und Bavcar triumphiert, weil ihn das Dunkel schützt, weil ihm seine inwendigen Bilder erhalten bleiben. Bavcar der Schamane, der Fremdling, der Zugewanderte aus Slowenien, horchend mit weit geöffneten Ohren.
Und immer wieder emporblickend aus der Tiefe seiner Schwärze. Der Blick vom Auge losgelöst, ein inwendiges Sehen, vom Auge befreit. Und Tiefe heißt immer Fremde, Unbekanntes, Verborgenes. Ein Verwischen von Unterscheidungs-Merkmalen. Und draußen diese monströse Helligkeit des Sonnenlichts. 
Und mit Hilfe seiner tastenden Hände und der registrierten Geräusche entwickelt Bavcar eine Bildsprache ähnlich dem beschreibenden Wort, das die Sichtbarkeit der Dinge möglich macht. Die Sprache entmachtet die Dunkelheit. Und deshalb seine sehnsuchtsvolle Hinwendung zur Literatur, jener abgewandten Kunst, mit der sich das Unsichtbare und Ungreifbare so treffend darstellen läßt: Die Sprache als Auge. Die Sprache als Herberge der Gegenstände. 
Blindsein und fotografieren empfinden viele als etwas Obszönes, als etwas Ungehöriges. Aber Bavcar erfindet Bilder, um zu überleben. Für ihn ist die Herstellung eines Bildes ein Akt der Freiheit. Und genau diese Freiheit empfinden die angeblich Sehenden als obszön, weil er ihr eigenes Sehen damit infrage stellt.



Unterbrochene Orte
Drei Tagebücher und drei Essays 
über das “Tagebuch als Literatur” 
mit Fotografien von den Reisen des Autors 
ca. 210 Seiten;

Erzählungen im Druckhaus Galrev 
ISBN 3-933149-20-7, Bandnummer: 18 
30 DM / 27,50 SFR / 219 ÖS

 

Der Berliner Autor Walter Aue, von dem bisher sieben Lyrik- und mehrere Prosabände publiziert wurden, veröffentlicht hier zum ersten Mal drei TAGEBÜCHER: autobiografische,
spontane Notate des Augenblicks, in denen er die Reflexionen und Ereignisse eines einzelnen oder mehrerer Tage zusammenfasst. Chronologische Substrate der jeweiligen Innen- und Außenwelt, die er mit literarischen oder öffentlichen Zitaten anreichert. Walter Aue ist ein Theoretiker des Raumes und ein Praktiker des dahinfließenden Zeitstromes, in dem er das Weltgeschehen und das Ortsgeschehen miteinander verbindet und in Beziehung zur eigenen Person bringt. Walter Aue ist ein Ich-Schreiber, der in verschiedenen Wirklichkeiten unterwegs ist. Er erfindet nicht, er berichtet, teilt mit, was er sieht und denkt. So entstehen seismologische Erkundungen der Jetzt-Zeit, ORTUNGEN der eigenen und allgemeinen Befindlichkeit, in der Reflexion und Recherche zu einer eigenen, unverkennbaren “Handschrift” des Autors verschmelzen.

“UNTERBROCHENE ORTE” enthält drei Tagebuch-Manuskripte: das eine in Wewelsfleth an der Elbe geschrieben, wo der Autor sich als Döblin-Stipendiat der Akademie im ehemaligen Haus von Günter Grass aufhielt, und das andere aus Berlin, wo Walter Aue seit 1967 als freier Schriftsteller lebt. Ein drittes Tagebuch stammt aus dem Künstlerhaus Selk in der Nähe von Schleswig. Der Reiz dieser tagebuchförmigen Prosa ist der jeweilige Wechsel von Land und Großstadt, die Intensität der unterschiedlichen Wahrnehmungsbilder. Den Abschluß bilden drei Essays über das Tagebuchschreiben, das in vielen Fällen zum Schreiben von Literatur führt. 

Walter Aue, der viele Jahre freier Mitarbeiter verschiedener Rundfunkanstalten war und über 100 Hörspiel-, Feature- und Literatursendungen schrieb, stellte in den 80er Jahren im SFB eine Sendereihe vor, die den programmatischen Titel “Das TAGEBUCH ALS LITERATUR” hatte und in der er die Tagebücher der Weltliteratur interpretierte.  GALREV veröffentlicht zum ersten Mal drei Tagebücher, die vom Autor selbst stammen.



Mein Tagebuch ist inzwischen eine Art Strichliste, die letzte Schwundstufe einer verlöschten Sprache. Es ist die schonungsloseste und kenntnisreichste Selbstdarstellung, die ich mir vorstellen kann: Eine endlos fortlaufende Zahlenkette, gegen die meine früheren Reflexionen und Beschreibungen, meine Sehnsüchte und Ängste, die übliche Beschädigung meines Lebens, kaum ins Gewicht fallen, denn nichts davon erreicht den Wert und die Bedeutung meiner eigenen ZEIT, die ich mir täglich vor Augen halte und die mir täglich verlorengeht. 
Die Zeitangabe ist ein Signum für Stabilität. Ein Erkennungsmerkmal von Wirklichkeit. Und die Anwesenheit von Wirklichkeit als endgültige verstehend, die sich gegen eine verzärtlichte Poetisierung des eigenen Alltags zur Wehr setzt und die Niederschrift von anderen Mitteilungen nur in stark reduzierten Formen der Uhrzeit, der Ortsnamen, der Wetterbedingungen und Arbeitsthemen zuläßt. 

Und vorwärtszählend, dem eigenen Tod entgegen zählend, in der Kenntnis der abfallenden Lebenskurve den Stillstand der Zeit erwartend. 


Auf freiem Fuß
Ein lyrisches Reise-Journal 
mit Fotografien des Autors
etwa 130 Seiten;

12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-933149-10-X 
Bandnummer: 53



Dieses Buch, das 1998 entstand, ist kein zweiter „ATLAS DER POESIE“, sondern eine rückwärtsgewandte Landkarte meiner Erinnerungen, meiner Reisen, die ich in den vergangenen Jahren u. a. zu den Schauplätzen einer Vielzahl von Poeten unternahm, die mich einmal begeisterten und mein eigenes Schreiben beeinflußten.In den 70er und 80er Jahren habe ich für den „Sender Freies Berlin“ einen Großteil dieser Reisen zu den Geburts- oder Aufenthaltsorten zeitgenössicher Literaten beschrieben, und die Autoren in der von mir entwickelten Sendereihe „Schriftsteller als Fährtensucher“ vorgestellt. Nachdem ich die RADIOWELT nach 30jähriger Rundfunktätigkeit verlassen habe und wieder Gedichte Schreibe, versuche ich mich in diesen Prosagedichten an einen Teil meiner damaligen Feature-Projekte zurück zu erinnern, die im allzuschnellen Medienverbrauch längst vergessen wurden. Im Gegensatz zu meiner „normalen“ literarischen Arbeitsweise, in der ich immer die Recherche VOR ORT, den authentischen Bkickwinkel und das Erlebnmis des Augenzeugen bevorzuge, bestimmt in diesen Texten zum erstenmal die nachträgliche Reflexion die Beschreibung. Was mich immer interessierte, war die Biographie der Autoren und die athmosphärischen Voraussetzungen, die zur Entstehung von Literatur führtwen, und deshalb habe ich die Wörter, die Bücher, die Bilder der bevorzugten Poeten meistens bis zu ihrem Ausgangspunkt zurückverfolgt,das reale terrain ihrer Entstehung erkundet. So entstand daraus nicht nur ein kleiner, subjektiver Querschnitt unserer Weltliteratur, sondern gleichzeitig auch ein autobiographisches Netz meiner eigenen Lebenswege, an die ich mich zurück zu erinnern versuchte.
Walter Aue
 
Das meiste ist retrospektiv: Ein unbeteiligtes Nebeneinander von Erinnerungsbildern in groben Umrissen. Auch jetzt  wo ich hier an diesem fremden Schreibtisch sitze: RUE VINCENT ST. PAUL 15 und das heulen der Ambulanzen höre. Und noch nachts die Autoströme vom Boulevard MAGENTA. Körper die aufeinanderprallen, die funkensprühend aufeinandertreffen, hier in PARIS, das pulsieren fotografischer Gedächtnisplatten. Und immer wieder ein Vorwand für Rückblenden, blaustichige Gedächtnisbilder, sobald ich mich zurückerinnere an ILLIERS-COMBRAY. Eine Recherche mit geschlossenen Augen. Und ich sehe sein Fachwerkhaus, das jeder kennt: RUE DU SAINT-ESPRIT 4. Im Garten noch immer das Laub der Kastanie, der eiserne Tisch und die Bank. Wieviel verträgt ein Mensch von PROUST, von dieser rasenden Geschwindigkeit eines Kreisels, bevor er die Zeit registriert die inzwischen vergangen ist? Ein warmer Mai wie dieser mit dem Duft der Weißdornhecken. Und schon von weitem der aufwärtsstrebende Glockenturm von SAINT-HILAIRE, den die Rabenschwärme umkreisten. DIE REQUISITE HAT GESIEGT! Das kleine Haus eine verschwommene Augenschliere. Im Innern der Bohnerwachsgeruch, die Kommode aus Zitronenholz. Und wie immer die Reduktion des Lebendigen zu Fossilien, bevor die Vernetzung der Wörter beginnt: Die mit Kapuzinerkresse bekleidete Hausmauer. Die Rüschen dreier Apfelbäume. Der scheppernde Glockenklang der Gartenpforte, der das Kommen und Gehen SWANNS ankündigte. Die Fliederbüsche, oder? Vor allem ist es die Tasse Lindenblütentee und das dazugehörende Madeleine-Törtchen, an das ich mich zurückerinnere. Das Bild muß nur näher herangeholt werden aus der äußersten Ferne. Eine sekundenkurze Gehirnarbeit. Kondensiertes Blau. Das sich zur Materie verdichtet. Ähnlich dem Blau des über die Möbel wandernden Kugelschreibers des belgischen Fabre. Alles nur Puzzleteile. PARIS HAT KEIN ENDE. Alles nur Wurzelwerk. Leichterkennbare Einzelheiten ehemaliger Augenbilder. Dazu gehört auch das UNION HOTEL ÉTOILE in der Rue Hamelin 44, in dessen oberen Stockwerk PROUST gestorben ist. Die Fensterläden verschlossen. Neben sich ein Tablett mit Lindenblütentee. Und diese kleinen dicken Sandtörtchen von Tante LEONIE. Das meiste ist retrospektiv. Nur nicht diese Signale der Ambulanzen. Die hörbaren Autoströme des Boulevard MAGENTA. Und nicht das Grab von PROUST am PERE-LACHAISE. Nur wenige Schritte von Apollinaire entfernt. Die lilafarbenen Fliederblüten, die verlorene Zeit und die Suche danach.



Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger