Foto: Mario Monge 
Guido Ceronetti: 
Mitleidenschaften und Verzweiflungen
Gedichte 
aus dem Italienischen übertragen von Oliver Mertins
und Nicola Cipani
ait literarischen Portraits des Autors
von Fruttero & Lucentini  und E. Cioran
etwa 112 Seiten;

12,50 €, 23 SFR,, ISBN 3-933149-12-6

Presse:
"...Sein Italien mittelalterlich-romantisierender Umrisse kippt dennoch nie in die Verklärung um, davor bewahrt ihn sein zuspitzender Sarkasmus, seine "leidenschaftlich negative Optik". Die Leiden der Frauen im Gynäzeum, das Weinen der Rachel, die Klage des Josephus sind ihm näher und entsprechend erntet er Mißtrauen. Sein fanatischer Vegetarismus brüskiert jeden Gastwirt, seine Erscheinung verstört, doch nichts haben sie in der Hand, ihn zu schmähen, als "Dichter, Dichter" zu rufen, wenn er vorbeigeht. Er vergilt es mit Spitzen bestechender Durchschlagskraft: "Wie kann eine Schwangere eine Tageszeitung lesen ohne sofort eine Fehlgeburt zu haben?"
Moosbrand
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"... Was sich der Publizist Ceronetti nicht erlaubt, ist das Sentiment der Verzweiflung, hier findet es seine Übersetzung in Bilder, die in vielem an Francis Bacons Visionen erinnern. 
[...] Erfreulicherweise ist der italienische Text - mit Originalnumerierung - mitgegeben; der Leser erhält einen reellen Eindruck von der vorgenommenen Auswahl ( häufig genug werden einem ja für die Übersetzung zusammengeschusterte Bücher zugemutet, die im Italienischen so nie existieren). Die beiden Übersetzer überzeugen, auch wenn man nicht alle ihre Wortkomposita für gelungen bezeichnen mag, durch ihren einfühlsamen Ton."
Tomas Fitzel,
NZZ 26/08/99
 
 










Ich kann Ihnen nur sagen, daß er den Eindruck vermittelt, ein Verwunderter zu sein. Ebenso wie jene, bin ich versucht hinzuzufügen, denen die Gabe der Illusion verweigert wurde. 
Fürchten Sie sich nicht, ihm zu begegnen. Von allen Wesen sind noch jene am erträglichsten, die die Menschen verachten. Man soll nie einem Misanthropen aus dem Wege gehen. 
Emile Cioran 

Wir stellen einen Dichter vor, von jenem im Verlauf unserer Arbeit sein dichterisches Gesamtwerk selbst ediert in einer Taschenbuch-Volksausgabe in Italien erschienen ist, einen großen alten Mann der italienischen Dichtung. Demgemäß trafen wir eine Auswahl, die einen Fremden, Vollendeten vorstellen will. Damit diese Präsentation nicht allein unserer Vorstellung entspringt, verzichteten wir auf die jedem dichterischen Werk eigenen Wiederholungen, die Vertiefungen des Dichters durch kreisendes Insistieren, die absteigenden Spiralen und ihre Variationen der Themen und suchten vielmehr die Vielzahl der sprachlichen und perspektivischen Facetten aufzuzeigen. Des weiteren legten wir unser Hauptaugenmerk auf Liebesgedichte, da unserer Auffassung nach in diesen am klarsten die Haltung zum Nächsten, Fremden, seiner anwesenden Abwesenheit oder der unseren zu schauen ist - und wir haben in diesen Band Guidos sämtliche Gedichte dieses Feldes aufgenommen, staunt und wundert! - wie jene ausdrücklich historischer Perspektive, des Dichters Betrachtung von Kontinuität und Bruch aufleuchten zu lassen.
Oliver Mertins

Nicht für alle, nur für die Edlen schreibe ich, um sie ein wenig von der Mühe abzulenken. Die Edlen des Schmerzes, des Denkens, der Krankheit, der Zerbrechlichkeit... Für sie werde ich nach hier und da gegangen sein, auf der Suche nach einem Italien, das ein  Zeichen wäre und einen für Menschen wahrnehmbaren Ton aussenden könnte. 
Guido Ceronetti

 
 
Er ging umher, am Hals ein Kästchen.
– Was verkaufst du hier wo es alles gibt? 
Eine Leere verkauf ich, die allen fehlt, 
Verkauf eine Abwesenheit, die ich hier nicht finde, 
Ein Nichts verkauf ich, das man nicht aufwiegt. 
Niemand der etwas von mir kaufte heute, 
Aber morgen werdet ihr sehen wieviele Leute. 

Mit welchem Dringen anstelle des Singens
Könnten wir erhellen deiner Nacht Schwärze 
Du Erde die brennt, Erde die schmerzt 
Trauer des Menschen, Krankheit des Menschen? 
Schmerz anzutun ist all euer Tun: 
Hast du geschaut in ein Gesicht des Menschen 
Tu überhaupt nichts; Wohltun ist Nichttun. 

 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger