Elke Erb
Winkelzüge oder nichtvermutete, aufschlußreiche Verhältnisse
Zeichnungen: Angela Hampel
Doppelband, ca. 450 Seiten,

20 € , 37 SFR, ISBN 3-910161-06-5


Als ich im Sommer 1983 daranging, eine kleine eilige Tagebuch-Notiz literarisch zu klären, d.h. ihre Belange (Horizonte, Halterungen) mit meinen bisherigen Schreiberfahrungen zu prüfen, ergaben sich sofort (und dann weiterhin sechs Jahre hindurch) Aufschlüsse über Aufschlüsse (viele von ihnen prinzipiell oder
direkt, im Charakter einer dringenden Mitteilung “an alle “Mitlebenden). Sofort auch und weiterhin - während sich (bis zuletzt) für den Text kein Ende absehen ließ - zeichneten sich in das Textland vorgreifende und es sichernde Aufgaben ein (“dieser Text wird gewiss nicht enden bevor…”).
Sie erfüllten sich unerwartet und auf unvorhergesehene Weise und nicht so, dass mit einer ihrer Lösungen etwas besiegelt und abgetan war, sondern so, dass es sich in weitere Zusammenhänge eingebunden und zu neuen Perspektiven aufgeboten fand. Ich nahm endlich wahr, (ich nutzte endlich, konsequent auch kraft der im Mai notierten Konflikt-Not) den Vorteil, den das Textleben als fixiertes Gedächtnis gegenüber dem übrigen Leben hat. Als Gesetz gewann dieser Spielraum dem Schreiben das soziale Ideal einer verbindlichen Offenheit und offenen Verbindlichkeit für alle verursachten Wirkungen. Die umfänglichen und intensiv aufwendigen Arbeiten und anderen Lebens-Teile, die den Prozeß in den sechs Jahren unterbrachen, störten ihn nicht, sie förderten ihn. Der Text ist gelebtes Schreiben wie erschriebenes Leben (und nicht etwa ersetztes, sondern ein Leben von aufregender, abenteuerlicher, von erfreulicher, sogar heiterster Art). Er hat eine Heldin. Die Heldin ist eine Frage. Die Frage heißt: “Aber werde ich denn noch lieben?” Die Heldin muß warten, während der Text ihren Handel betreibt (sich anficht, feindlichen Bedingungen aussetzt), seine eigenen Methoden (Eroberungen, Triumphe) in Konflikte treibt, bis sie scheitern. Sie, nicht er. Bis die Heldin eingeholt wird, die Frage gelöst, die Heldin zu sich kommt…
Elke Erb

 

Die Erfahrung des verfehlten Lebens
ließ - denn sie war Gefahr
(und mußte Gefahr gewesen sein)
positive Erfahrung, Gelingen, Sicherheit
für das Bewußtsein nicht zu,

lange nicht, auch als längst
die unbewußt eingeprägte Arbeitserfahrung
eine Arbeitshaltung ersammelt hatte,
ein Im-Stande-Sein, ein Können.

Die negative und positive Erfahrung
vereinigten sich nicht.

Sie hätten sich nicht verstanden.
Sie dachten verschieden.

Die unbewußte Arbeitserfahrung
kannte das W ort “endgültig” nicht.
Ihre Begriffe waren:
Unbedingt und Anfang.

Ich wunderte mich, daß ich überall, wo ich anfing
in dem Fertigen, in dem Endgültig-Scheinenden
Gebiete betrat, wo noch nicht und nichts gearbeitet war.

Und lange, lange, bei jeder Entdeckung,
schien mir, ich sei betrogen worden.

Eine Verbindung aus Empörung und guter Meinung:
Sie haben mich betrogen: Empörung.
Sie wußten also, was ich entdeckte:
Welche gute Meinung von ihnen!

Das Grauen galt meiner Verfehlung;
nicht ihrer.

Es begann mit den Versuchen, das Wort zu ergreifen
in der privaten Öffentlichkeit des Schreibens.

(Wollte ich das Wort ergreifen,
so wollte ich helfen, sage ich jetzt).


 
Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger