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Allegorie gegen die vorschnelle Mehrheit
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„Sizilien Schweigt“. Lyrik, gelesen als platonische Prosa. Reisende Beschreibungen von den Gefahren des Mythos, dem Poetensystem der Elemente, über das sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft verständigen konnten. Die Ideenlehre Platons lehrt das Mißtrauen schärfen gegenüber einem vordergründig sinnlich Erlebbaren. |
Den Erscheinungen die Selbständigkeit des Selbstgefallens gegenüber den Ideen genommen. Sie duldeten keine neben sich, sondern nur eine als Form ihres Nichtseins. Wissen wir mehr als wir wissen, gleichen wir nicht dem Gedanken, den wir begreifen, sondern sind ihm überlegen (Nietzsche). Das Vorübergetragene ein Schatten. Als Projektion die Abbildung gekrümmter Flächen auf einer Ebene. Keinem Bild war zu glauben, keines für Wahrheit genommen, bevor sich nicht Kräfte mobilisierten, die außerhalb des Abbildens lagen. Damit ließ sich der Mythos auf die Faszination projizieren und es war deutlich, die Faszination projizierte den Mythos.
- Ursprünglich begonnen, um den Ursachen nachzuspüren, die jahrhundertelang deutsche Künstler nach Italien trieb, scheint der Text nun vom Sinnbild „meiner“ Orte Berlin und Weimar getragen, wie in den beiden Büchern vorher, die auch weniger vom Bericht eigener Erfahrungen mit Glaube und Heimat als von ihren Erfindungen handeln, die Kindheit, Erziehung, den christlich geprägten Kulturkreis ausmachen oder sich in Überwindung und Fortgang antikischer Traditionen festschreiben lassen, in „Sizilien schweigt“ gemessen am Realbild, das der Süden bereithält.
- Gino Hahnemann
- MEDEA KINDER TOD
- das sind nicht die biografien,
- um ein leben zu machen,
- es sind unsere kinder,
- sagte medea
- rachzug
- ghettogeschworener nach glück,
- mit dessen erfundener existenz
- wir sie ins erwachsene lockten
- an haken gekreuzte zivilkriegsbewohner,
- unsere kinder sind das,
- haftbar vor keinem gesetz,
- geschoren im brandschatz
- der nicht-alt-genug-immunität
- nicht einmal namen erfand euripides
- den söhnen in seinem theater
- unsere kinder sind das, sagte medea,
- provinzjugendbanden,
- damit jason nichts bleibt
- und jason bleibt nichts.

Gino Hahnemann
- Allegorie gegen die vorschnelle Mehrheit
- Zeichnungen: Helge Leiberg
- ca. 120 Seiten; 12,50 €, 23 SFR
- ISBN 3-910161-05-7

- Gino Hahnemann, der zur “Generation der 80er“ gehört, ist einer der ersten, der die schwule Erfahrung in die Literatur des Landes eingeschrieben hat. Seine fast ausschließliche Präsenz in den Zeitschriften des literarischen `Hintergrunds`, wie „Schaden“ oder „Ariadnefabrik“, weist auf den schwierigen Ort des Anspruches wie auf die Selbstverständlichkeit des Agierens in einer autonomen Öffentlichkeit. Der ausgebildete Architekt Gino Hahnemann hat als Bühnenbildner, Fotograf, Filmemacher (Video und Super 8) und Aktionskünstler gearbeitet. Doch Zentrum seiner künstlerischen Artikulation ist der Text, der zugleich Ausgangspunkt und Resultat der multimedialen Arbeit ist. Der Bildkünstler Gino Hahnemann denkt und arbeitet mehrdimensional, körperbetont, visuell. Die Stärken seiner Texte liegen dort, wo sie auf eine unmittelbare Körperlichkeit insistieren, wo sich Begegnungen, Gefühle, die Ambivalenz des Begehrens in einer kühlen Sprache, die sich zuweilen selbst thematisiert, wiederfinden. Diese Spache ist voller Energie, spröde, brutal und assoziativ. Gino Hahnemanns Texte, die von sich aus Genre und Körpergrenzen überschreiten, sind nicht kolonisiert im Gattungsmuster. Gedichte können Filme werden, Essays Drehbücher. Dies Verwischen der Grenzziehungen gehört zum Projekt einer sozialen und literarischen Selbstbefreiung.
- Peter Böthig
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- unterm schneeauge
- unterm schnee auge
- von müttern verlassene
- sessel
- spiegeljungen ewiger jugend.
- häutung als bloße verstellung
- zweier sich abwendender leiber
- depersonalisation
- kein abgrund, medea,
- öffnet sich deiner andacht
- im augenzwinkern der selbstkastration
- fröstelnder söhne,
- gereizten mulatten,
- dem schatten des staubigen regens
- wie beim beischlaf
- entkommen.
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- Richard Anders
Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger
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