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- Frühjahre
- Lebenslauf
Bestiarium Literaricum
- Sammlung
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Presse :
- Die klassisch überraschende Sicht,
die Neues über alte Bekannte (der Literatur) bietet.
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Der ist ein Fasan, der seinen Federschmuck
solange versteckte, bis er das große Rad schlagen konnte.
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Bernd Heinberger,
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Neue Zeit vom 3.9.91
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- Koziol bringt die Literaten, ob Sarah
Kirsch oder Ulrich Zieger, auf ihren animalisch- vegetabilischen Nenner,
macht uns mit Dämonen, Wasserläufen und Pilzen bekannt.
"Im Anfang war der Sport", heißt es in der Schöpfungsparodie des Vorworts. Koziol kam erst danach - als sein ergebener Demiurg.
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Claudia Schulke,
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FAZ, 13.3.92
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Das Buch enthält keine Gedichte sondern Redensartverwandte Formulierungen, die zum größten Teil aus dem anonymen Reservoir der Umgangssprache stammen. Redensarten gehören zum Bodensatz
der Sprache....
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Entrüstung
Sich erst jedes Blech antun
und dann in Harnisch geraten
über all den Schrott
der einen doch nicht schützt
vor sich selber

Andreas Koziol:
Frühjahre
Eine Verserzählung
ca. 100 Seiten;
14 €, 26 SFR, ISBN 3-933149-25-8
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Wäre heute der publizistische Anspruch auf ein kollektives Gedächtnis der geschluckten Deutschlandhälfte nicht so massiv zum einen und könnte ich zum zweiten aus dem vor Mythisierungen immer warnenden Charakter der Aufklärung wenigstens einen Bruchteilvon Erkenntnis ihres |
eigenen Aberglaubens herauslesen, so hätte ich zum dritten wahrscheinlich ein vollkommen anderes Buch geschrieben, vielleicht sowas wie eine Cut-up-Tirade aus superauthentischen Szeneschnipseln voll mit O-Tönen von betonsicherem Wiedererkennungswert.
Aber leider habe ich zu häufig das, was andere hier und heute
für witzig halten, nur als lächerlich empfunden. Zudem glaube
ich daran, daß die Poesie, seitdem sie von der Banane der Erkenntnis
zwischen Gutversorgt und Schlechtversorgt gegessen hat, sich jeden weiteren
Sündenfall in die Überzeugungssprachen der Markt- gesellschaften
(die ja nun nicht gerade die des Märchen- erzählers auf einem
Basar sind) reiflich überlegen sollte.
Also wandert das "Ich" in diesem Text, einem Epos Null der Abrechnung
mit dem, was über den "Osten" gesagt war und ist, über
die heraufdämmernde Landschaft der Erinnerungen wie ein Schatten,
der seiner scheinobjektiven Morgensonne die Moral aller möglichen
Dinge predigt, die, gleich ihm, von ihrem Licht verfehlt wurden.
Wie eine aus einer verdorbenen humanistischen Erbmasse gemodelte Comicfigur
durchstreift es die Rahmen seiner von idealistischen Einfaltspinseleien
gezeichneten Bilder und Einbildungen eines Lebens, das es zu einem Wortspiel
auf eigene Rechnung machte, da es ansonsten den Versuchen der alten wie
der neuen Verhältnisse, ihm ein Leben vorzuschreiben oder einzureden,
die Antwort schuldig geblieben wäre.
A.K.
Der Band gibt einen Rückblick in neunzehn Verskapiteln und einem Zusatz,
worin Entsinnungsformeln gefunden und gesammelt werden, die den Kern einer
Jugend betreffen. Verwunschenheiten werden aufgebrochen und Verwünschungen
ausgesprochen. Wo sich die Sprache nicht selbst dient, dient sie nebenher
dazu, den Blendungen der Ideologie mit versonnenen wiewohl etwas angeschlagenen
Eulenspiegeleien zu begegnen. Eine aus dieser Gespaltenheit herrührende
Energie treibt das "Erzählprojekt" von einem fälligen Textbaustein
zum nächsten, bis der Dominoeffekt eine Ebene sich selbst generierender
Wortflußwellen erreicht.
Sein Protagonist durchgeht eine Anzahl von bisher unbeschriebenen Rückseiten
seiner subjektiven Vergangenheit wie ein relativ unmöglicher Mensch.
Da er sich in einem Widerspruch zu der von ihm als unwirklich empfundenen
Realität findet und verklärt, fühlt er sich mit den Kräften
ihrer Auflösung verbunden, ohne ihnen ernstlich dienen zu können.
H.G.
Brief an den Schatten
"Lieber Schatten!" schrieb ich. "Ich kann nichts dafür,
daß du nie Sonne kriegst und nur vom Fleisch fällst.
Was bildest du dir ein, so finster auszusehen.
Grad so als hätt ich dich wie Dreck behandelt.
Das brächte ich nie über mich; du weißt es doch.
Wir sind ja beide nicht so ganz von dieser Welt
und die Hölle machen uns schon andre heiß
so daß sich manchmal fast die Frage stellt
ob nicht einer von uns beiden hier zuviel ist.
Doch wenn ich seh was du zu machen scheinst:
aus meinem Leben nichts als einen Vorwurf -
dann möchte ich auf dem Papier dir sagen:
scher dich zum Teufel und beschwer dich da.
Denn im Dunkeln tappen kann ich auch alleine.
Halt! Zurück, ich habe doch nur Spaß gemacht!
Du bist doch nicht wirklich einer von denen ...?
Du mußt lebenslänglich von mir Abschied nehmen.
Früher gehts nicht. Also. Licht aus. Gute Nacht!"

Lebenslauf
Ein Poem
mit Vignetten des Autors
etwa 80 Seiten;
17,50 €, 32 SFR, ISBN 3-933149-14-2
Andreas
Koziol hat einige Jahre lang den Geräuschen der baulichen Umgestaltung
Berlins von seinem Zimmer aus mit großer Aufmerksamkeit zugehört.
Weil aber aus all dem "an die Substanz gehenden" Donnern, Krachen, Kreischen
und Heulen des zünftigen Geschehens dann doch kein Zukunftsfunke auf
ihn überspringen wollte, hat er sich erst einmal seiner Vergangenheit
zugewendet und einen "Lebenslauf" geschrieben. In dieser Vergangenheit
scheint es ihm zwar ebenfalls nicht sonderlich gefallen zu haben. Jedoch
- und dies führt er als Erklärung seiner grimmigen Rückwendung
an - dort ist er nach längerem Klopfen (um diesen Ausdruck aus dem
Bereich okkulter Torheiten zu gebrauchen) zumindest "hineingekommen". Dasselbe
könne er von der Gegenwart schon längst nicht mehr behaupten.
Da seiner Ansicht nach die Gegenwart ohnehin die umwirklichste aller geläufigen
Zeitformen sei, würden ihm Realisten schon nicht den Kopf abreißen,
wenn er sie mit ihrer Gegenwart noch etwas warten lie§e. Verrückt
sei es erst geworden, wie sich herausstellte, daß jene Vergangenheit,
an die er sich persönlich erinnerte, selbst nur eine Folge von unzugänglichen
Gegenwarten gewesen war. Diese Entdeckung habe ihn in Panik versetzt. Wie
an einem Ertrinkenden in einem Meer der sprachlichen Schöpfungsmöglichkeiten
seien die Erinnerungen mit zunehmender Geschwindigkeit an ihm vorbeigezogen.
Dies wiederum erkläre eine allmähliche Wandlung, die sein Text
beim Niederschreiben erfahren habe. Von einer gefaßten Aufnahme früher
Eindrücke aus der Kindheit und Jugend sei der fortlaufende Text allmählich
in immer mehr zugespitzte und mithin wahnwitzige Wahrnehmungen umgeschlagen.
Aus Gründen, die er sich selber nicht erklären könne oder
wolle, sei auf diese Art und Weise der "Lebenslauf" zu einer galligen Burleske
geworden, zu einem Possenspiel der Mnemosyne, die ihrerseits von der Muse
der experimentellen Poesie geküßt wurde. Daher sei das ganze
auch keine jener Biografien, die wir uns der "Vereinigung" zuliebe einander
erzählen müßten, sondern eher ein Exzeß der Vernichtung
biografischen Feinstoffs, der durch die oben erwähnte Panik ausgelöst
worden sei. "Warum" - so fragte ich an dieser Stelle - "hast du nicht ganz
einfach erzählt wie es war?" "Weil" - so die Antwort - "dies erst
recht eine Illusion wäre. Das Material einer Biografie ist nicht identisch
mit dem Stoff, aus dem die Erinnerungen bestehen. Ich wollte meine östliche
Variante der deutschen Selbstverachtung, wovon der Text auch handelt, so
wenig wie möglich mit den notorischen Aha-Effekten der allgemeinen
Verständigung über dieses Thema bestätigt wissen. Ich ziehe
den "Oho-Effekt" vor, sofern dieser noch etwas mit derselben Art von ausgelassenem
Widerspruchsgeist zu tun hat, die - frage bitte nicht warum - auch diesen
"Lebenslauf" geprägt hat.Ergänzt wird der Band mit einigen prosatexten,
die dort anknüpfen, wodie Erinnerungen aufhören - in weiteren
Sprachspielen und in der Wiedergabe einiger Träume.
H.G
Meine Eltern fanden sich schnell mit mir ab. So schlecht war ich letztlich
gar nicht. Ihr Hauptaugenmerk blieb auf die älteren Brüder geworfen.
Ich hatte also keine andere Wahl, als mich auf mich selbst zu werfen. Ziehe
ich einmal die Schatten des Vaters, der Mutter und jene meiner älteren
Geschwister ab, welche ebenfalls auf mich geworfen wurden, so hatte ich
außer meinem Babyselbst kein größeres Gepäck zu tragen.
In manchen Philosophien gilt das auf sich selbst Geworfensein als ein wunder
Punkt. Es ist hoffentlich niemand verletzt, wenn ich diesen Schmerz nicht
teile. Ich kannte es von Anfang an nicht anders. Dieses Kind ist dermaßen
übrig, mögen sich meine Eltern gesagt haben. Wenn wir ihm nur
Essen und Unterkunft geben, so wird es sich schon von selber schaukeln.
Und so mußte es dann wohl auch kommen: Man sorgte für das Gröbste,
und ich schaukelte mich von selbst. ...
... Irgendwo unter dem Teppich hauste ein Echo ferner Bombennächte,
das dem familiären Krawallmuster angehörte. Es war ein zum hysterischen
Hausgeist verkommenes Gespenst des letzten Krieges, das gerade genug verdrängt
worden war, um nicht für gelegentlich klirrende Fensterscheiben, wackelnde
Wände und grollende Rückzüge des Vaters in den Keller zur
Mitverantwortung gezogen zu werden.
Ich wurde süchtig nach Abgeschiedenheit und witterte voreilig
Einvernehmen mit den warmen Jahreszeiten, da sie die Zimmer der Wohnung
entvölkerten. Doch man ließ mich selten zurück. Vergessen
wurde ich kaum einmal. Aus den dünn gesäten Stunden der Unbeobachtetheit
in Urlaubswäldern, Treppenhäusern und Dachböden zimmerte
ich mir ein notdürftiges Vergessen meiner Lage. Dabei verlor ich oft
das Gefühl für die Zeit und wurde dafür von meinen Ernährern
mit Ungemach plus Hausarrest bestraft. Die von mir ersehnte Abgeschiedenheit
wurde so zu einer Zwangsverordnung, die meine ganze Spielwelt umfaßte.
Noch die Sterne am Himmel zählten dann zu den Steinen dieser Zwickmühle.
...
... Ich hielt mich am Rande und siebte aus Büchern das alphabetische
Gold eines anderen Lebens. In meinen Augen klirrte Alaska, Wolfsrudel folgten
aufs Wort des Verfassers, ich blätterte Königreiche um, überflog
unternommene Waffengänge, schlug lustige Streiche auf, nahm das Meer
mit ins Bett, raschelte minütlich mit Jahrtausenden, schlief mit täglich
wechselnden Utopien unterm Kissen. Kurz, ich kroch dem Lesen mit Haut und
Haaren auf den Leim. Unvermeidlich mußten die Fetzen fliegen, wenn
man aus Sorge um meine Gesundheit versuchte, Buch und Kind mit Gewalt voneinander
zu trennen. ...
Bestiarium Literaricum
Postkartenübermalungen C.M.P.
Schleime
96 Seiten;
7,50 €, 14 SFR, ISBN 3-910161-04-9
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Im
Tiervergleich, einem der ältesten Tricks der Menschheit und zur Zeit
vielleicht einzigen unschuldigen Utopie, verliert der Schreiber nichts
als die Analogie mit dem Gott oder dem Teufel, der ihm übrigbleibt,
wenn sein Weg zu den Anfängen von zu vielen geschichtlichen Deutungen
unterminiert ist. Die herkömmliche Literaturwissenschaft lässt
den Schreiber eher links liegen, als auf den Knalleffekt ihrer Zuweisungen
zu verzichten - ein Verfahren, dessen eigentliche Sprachlosigkeit nur noch
von seiner Rechthaberei übertroffen wird.
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Unser BESTIARIUM LITERARICUM ist hierzu alternativ
gemeint. Auch siebzig Jahre nach Franz Blei scheint es uns keine vernünftigere
Art zu geben, "etwas Wesentliches" über das Verhältnis der Schreiber
zu den Dingen zu beschreiben. Die Poesie hat den Stand der Wissenschaften
allenfalls bis zur Erfindung des Lügendetektors mit ihren Impulsen
in Einklang zu bringen gewusst und heute anscheinend einen Punkt erreicht,
wo es egal ist, zu fragen, ob sie ihrer Zukunft voraus - oder ihrer Vergangenheit
hinterherhinkt.
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Den Punkt suchend, wo "Das Tier aus dem Text fällt",
habe ich, diesen an jenes verfütternd, gewartet, was übrigbleibt:
Tier oder Text. Natürlich blieb immer das Tier übrig. Einige
entschwanden zu schnell ihrer eigenen Option, so dass ich mich mit ungefähren
Rekonstruktionen meines Eindrucks aus dem Gedächtnis begnügen
musste. Manche hingegen waren überdeutlich. Ich wollte in keinem Fall,
dass die "Schere zwischen Innen und Aussen" verstummt. Es handelt sich
bei jeder beschriebenen Art um die Reste eines Traums, den ich von den
betreffenden Dichtern hatte. Verschiedentlich sind mir dieselben in späteren
Träumen als völlig andere Wesen erschienen. Leider kann ich mich
nicht auf meine Träume verlassen, und darum habe ich selbstverständlich
nach dem Wachwerden auf die verfügbaren Texte der deskribierten Skribenten
zurückgegriffen.
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Aus dem Vorwort
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Sammlung
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Gedichte, Legenden, Travestien
- 196 Seiten;
- Edition Qwert Zui Opü
- 16 €, 29,50 SFR, ISBN 3-910161-49-9
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Der Buchtitel SAMMLUNG ist kein Understatement. Er bedeutet nichts anderes, als eine Aufreihung von Texten, eine reine Konzentration von Gedichten sowie von zu Legenden, Träumen und Traktaten deklarierten Gedankenspielen. Surreal anmutende Capriccios (Adolf Endler) wechseln ab mit Versen, die ihrerseits einen meist sorgfältig gereimten Abstieg probieren, vielleicht von den Anything-Goes-Gipfeln der letzten Dekade, ohne sich über eine gewisse Bodenlosigkeit oder einen Mangel an triftigen Gründen groß zu erklären. Es überwiegen allerdings die Träume und Legenden, und zwar in sowohl protokollarischer Form als auch in burlesker, gelegentlich launisch naiver Weise, auf welche sich Andreas Koziol über einige restliche (Herzens-) Angelegenheiten der Kindheit und jüngeren Vergangenheit kundig und - eher unwillkürlich - auch lustig macht. Einige unter den Prosastücken lesen sich wie kryptische Comics - eine Lesart, die infolge des Aufzeichnungscharakters der geträumten Szenen naheliegend ist. Es zieht sich ein verdächtiger Unterton durch viele Zeilen, ein leises Knistern, ein regelmäßiger Schleifton, selbstredend in der Übersetztheit durch zahlreiche rhetorische Stereotypen und ein immer wieder wie andächtig in Betrieb genommenes Endreimgeklingel. Eine Eigenheit, die zu der Vermutung Anlaß gibt, daß zumindest die Gedichte dieses Bandes viel lieber noch als alles andere womöglich alte Schallplatten sein würden, wenn sie nicht schon, stimmigerweise, relativ neue Gedichte wären.

Schneestiftung
In deinen Sinnen herrscht ein so dichtes Schneetreiben, daß du die Worthand nicht mehr vor Augen siehst. Du streckst dem Winter der Landessprache die Zunge heraus und gehst in die Knie, um den Füßen näher zu sein, auf die deine Sache nun einmal gestellt ist. Wenn du einmal nicht Schnee redest, dann ist es Rauch, dem du zusprichst, schwadenförmiges Gewese vom Grunde deiner dauernden Verwehtheit. In diesem lockeren Stoff der Kälte, den du zur Hand nimmst, als wäre alles ein Kinderspiel, erweist sich jeder Wurf, den du landest, als schneegebeutelte Parabolie. Der Himmel schenkt deinen Schultern die Weisheit einer schweigend fallenden Mehrheit. Sie sagt dir auf den Kopf zu, daß du nie deinen Weg verlieren wirst, solange du dir eine Rübe machst und dein Name Hase ist. Doch damit bindet sie dir einen Bären auf, den du nicht mit ein paar verrückten Sätzen abschütteln kannst. Jedes panische Täuschungsmanöver deiner Sinne auf dem verschneiten Engpaß des Schmuggels mit manischen Assoziationsketten würde eine Lawine von Perspektiven auslösen, von der du mitgerissen werden könntest wie die Netzhaut von den Mustern eines Persers. So du beim Warten auf die Kristallisierung deiner Krisen nicht vereisen willst, machst du besser von hier eine Flocke und schneist aufgetaut auf ein anderes Blatt, und dein Schicksal würde sich wenden, um eine Träne zu verbergen, die zu allem Überfluß dir ähnlich sähe, und das wäre ein Ding, welches die Lateiner sich nicht träumen ließen, als sie sagten, daß auch die Dinge ihre Tränen haben.
- Richard Anders
Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger
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