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Heiner
Links "Hungerleider" ist ein ebenso aufgeregter wie aufregender monologischer
Diskurs über die Zumutungen der Normalität. Es sind die Schrecken
der alltäglichen Erscheinungen, die den Erzähler plagen. Er begegnet
ihnen mit einer Lakonie, die sich zuvorderst über jene lustig macht,
die brav die geläufigen Erklärungen des sogenannten Gewöhnlichen
nachbeten. Sie speist sich aus den Abgründen der sexuellen Wollust
und der gesellschaftlichen Verweigerung des Einzelnen, der die Revolte
in Anbetracht der Kräfteverhältnisse einstweilen unterläßt.
Vielmehr arrangiert er sich mit ihnen in dem klaren Bewußtsein, daß
dies definitiv zuwenig ist. So ist dieses Buch ein moderner Bastard des
bürgerlichen Entwicklungsromans, der uns veränderliche Zustände
präsentiert, ohne je der Einbildung zu unterliegen, hier entwickle
sich etwas.
- Georg Martin Oswald
Ich werde schlank, immer schlanker, vier Pfund hat's
mir weggerissen. Ich nehme an, daß das noch ein paar Tage so weitergeht,
und dann verflüssige ich mich. Habe heute noch keine Reptilien gesehen,
was ist los? Auf cremefarbenen Plastikhockern sitzen Aitmatows Kamelhengste
und putzen sich die Zähne mit schwarzen Schwämmen. Keine Panik,
sie tragen Schuhe mit Gamaschen. So geht's mir dann, ich komm und komm
nicht rein, weil immer was dazwischenfunkt. Also, ein Sessel aus Fleisch,
ich sag ja, eine wabbelige Sache, aber nicht unbequem, darin ein hübsches,
kleines Fiberglasmonster, transparent bis auf die Chips, mit einem Fächer
aus einem beim Trocknen steif gewordenen Putzlappen. Sowas zieht hier ständig
an mir vorbei, und ich bin stocknüchtern im konventionellen Sinne.
Was wollt ich sagen, richtig, das könnte meine lädierten Waden
durchzucken, das würde meine Bauchmuskeln wieder einmal so richtig
stählen, das könnte schon was bedeuten. Ich kann ja nichts. Jetzt
auch noch ein Ave Maria vom Papst, der Sender ist einsame Spitze. Bevor
ich hier in Klumpen zerfalle, hol ich den Preßlufthammer aus dem
Keller, wir sind ja ausgerüstet. So muß ich mir eine Fotografin
suchen. Muß nochmal nach Kuba und möchte gerne die chemischen
Reaktionen meines Hirnes niederschreiben, das nimmt mich Kleingeist ja
ganz in Anspruch, und da hätte ich dann gerne ein paar schöne
Bilder, damit man sieht, wie meine Wirklichkeit vom Herzstechen beeinflußt
ist. Jetzt kommt schon wieder was, grüß Gott, nur hereinspaziert.
Sie machen sich keinen Begriff, was grade eben hier ins Büro reinsegelt,
Maria Ave selber! Siebentausend Sommersprossen und überraschend starke
Hüften.
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