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Susanne Schleyer
 
Heiner Link: Hungerleider 
Erzählung 
mit Fotografien von Martin Fengel 
ca. 200 Seiten;

12,50 €, 23,- SFR, ISBN 3-910161-78-2 
Heiner Links "Hungerleider" ist ein ebenso aufgeregter wie aufregender monologischer Diskurs über die Zumutungen der Normalität. Es sind die Schrecken der alltäglichen Erscheinungen, die den Erzähler plagen. Er begegnet ihnen mit einer Lakonie, die sich zuvorderst über jene lustig macht, die brav die geläufigen Erklärungen des sogenannten Gewöhnlichen nachbeten. Sie speist sich aus den Abgründen der sexuellen Wollust und der gesellschaftlichen Verweigerung des Einzelnen, der die Revolte in Anbetracht der Kräfteverhältnisse einstweilen unterläßt. Vielmehr arrangiert er sich mit ihnen in dem klaren Bewußtsein, daß dies definitiv zuwenig ist. So ist dieses Buch ein moderner Bastard des bürgerlichen Entwicklungsromans, der uns veränderliche Zustände präsentiert, ohne je der Einbildung zu unterliegen, hier entwickle sich etwas. 
Georg Martin Oswald


Ich werde schlank, immer schlanker, vier Pfund hat's mir weggerissen. Ich nehme an, daß das noch ein paar Tage so weitergeht, und dann verflüssige ich mich. Habe heute noch keine Reptilien gesehen, was ist los? Auf cremefarbenen Plastikhockern sitzen Aitmatows Kamelhengste und putzen sich die Zähne mit schwarzen Schwämmen. Keine Panik, sie tragen Schuhe mit Gamaschen. So geht's mir dann, ich komm und komm nicht rein, weil immer was dazwischenfunkt. Also, ein Sessel aus Fleisch, ich sag ja, eine wabbelige Sache, aber nicht unbequem, darin ein hübsches, kleines Fiberglasmonster, transparent bis auf die Chips, mit einem Fächer aus einem beim Trocknen steif gewordenen Putzlappen. Sowas zieht hier ständig an mir vorbei, und ich bin stocknüchtern im konventionellen Sinne. Was wollt ich sagen, richtig, das könnte meine lädierten Waden durchzucken, das würde meine Bauchmuskeln wieder einmal so richtig stählen, das könnte schon was bedeuten. Ich kann ja nichts. Jetzt auch noch ein Ave Maria vom Papst, der Sender ist einsame Spitze. Bevor ich hier in Klumpen zerfalle, hol ich den Preßlufthammer aus dem Keller, wir sind ja ausgerüstet. So muß ich mir eine Fotografin suchen. Muß nochmal nach Kuba und möchte gerne die chemischen Reaktionen meines Hirnes niederschreiben, das nimmt mich Kleingeist ja ganz in Anspruch, und da hätte ich dann gerne ein paar schöne Bilder, damit man sieht, wie meine Wirklichkeit vom Herzstechen beeinflußt ist. Jetzt kommt schon wieder was, grüß Gott, nur hereinspaziert. Sie machen sich keinen Begriff, was grade eben hier ins Büro reinsegelt, Maria Ave selber! Siebentausend Sommersprossen und überraschend starke Hüften. 
 
 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger