Foto: Susanne Schleyer 
Frank-Wolf Matthies:
Von der Erotik
des Zeiten vernichten
Gedichte, 150 Seiten;

 2,50  €, 23 SFR, ISBN 3-933149-29-0       
 

Omerus Volkmund

Adressen aus den Heften für Patricia

Aeneis

Biografie:
geboren 1951 in OstBerlin. 
1981 Umzug nach WestBerlin,
lebt in Friedrichthal. 
 
Veröffentlichungen (Auszug): Morgen
(Gedichte, 1979), Unbewohnter Raum 
mit Möbeln (Prosa, 1980), Für Patricia im Winter (Gedichte, 1981), Tagebuch Fortunes (1985),
Stadt (1985), Gelächter (1987), 
Die Labyrinthe des Glücks (Prosa, 1990 
bei Kellner, Hamburg) 
Presse:
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" Die Schärfe des Textes erinnert an Bernhards Auseinandersetzung mit seiner Heimatstadt Salzburg."
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Christian Scherfling / Neues Deutschland


Frank-Wolf Matthies:
Omerus Volkmund
 
fünf Erzählungen
mit Abbildungen von Kupferstichen aus dem 18. Jh.  
128 Seiten;

12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-910161-54-5
 

 

Diese Erzählungen übertragen (und wir unterscheiden ja durchaus begründet des weiteren zwischen Übersetzen und Nachdichten) gesellschaftliche Zusammenhänge in ihre ungeselligen, polarem Erbe entsprechenden Effekte: einerseits die offizielle Vermengung und demgegenüber jenes Ich, das, vom sich angeeigneten Bilde ausgelöscht, meint, in Ehren sich Wehren, sei der Text und aus dieser angenommenen Identität schreibe sich Geschichte. 
Aber selbstverständlich ist es so, daß der Text sich schreibt und die einzigen, die dies nicht wahrhaben wollen sind die Namen, die ihn erleben. Daher einst die Spannung von Literatur, diese ungeheuerliche Nähe und Ferne zugleich. 
Frank-Wolf Matthies hat Zeit, weil er Texte schreibt, die sich nicht auf das Phänomen als solches stürzen, um in ihm verloren zu gehen. 

 

...Möglicherweise war es aber gerade dieses Frohlocken seiner unmittelbaren Umgebung, was Goldmann wieder zu Kräften kommen ließ, quasi ein "Nun gerade nicht!". Hatte er nicht in Moral, anal dieses Aufbäumen vorausgesehen? "Man sollte nie eine Seele in Verteidigungsstellung drängen, denn dann muß sie wach und wissend werden, muß sich erläutern und auseinandersetzen. Wehe, dann wird der Geist ein Brandstifter! Was bleibt übrig vom Werk der Menschen, wenn wir nicht lieben dürfen? ...Ganz zu schweigen von jenem Leidensdünkel, welchen die letzten stolzen Römer an dem anbrechenden Christenreich verspotteten, diesem Reich der aufbegehrenden Sklavenseelen, deren moralinsaure Pflichtbissigkeit nur die Ungenüge an sich selbst versteckt. Diese Tyrannei der Mühseligen und Beladenen, diese Ethik der Nächstenliebe, des Neides, der Abgunst und der Rache am Glücklichen, am Starken, am Fürsichseinwollen und Sichselbstgenügen, am Klardenkenden, die feuchte Wärme der die Schicksalsergebenen Hordenreligion Verachtenden muß überwunden werden." Die in Diarium des Fliegenden beschriebenen Welten sind "nicht fortlaufend: ihr einziger Zusammenhang ist das Universum". Regressiv, utopisch und auszweigend, wie ich bereits sagte. Das Werk umfaßt 24 Kapitel. Wie die 24 Stunden des ...eines Tages - doch eben nicht die desselben Tages. So ist es also möglich, daß das 2. Kapitel von der 8. Stunde des gestrigen Tages handelt, während das I. Kapitel die 7. Stunde des morgigen Tages voraussagt, und immer so fort: das Eine handelt in der Nacht, das Andere von der Nacht, und ein wieder Anderes war einzig in einer Nacht geschrieben worden ...Nur eines kommt in dem ganzen Text niemals vor: der heutige Tag... 
aus: Über das Verschwinden - Person und Werk Henri Goldmanns 
 
 

Frank-Wolf Matthies:
Adressen aus den Heften für Patricia 
Gedichte 1981 - 1989 
mit Zeichnungen von Helge Leibeng 

93  Seiten; 12,50 €, 23 SFR., ISBN: 3-910161-33-2 


 

WAS WAR WIRD = GEWESEN: 
Wie sind wir gegangen. Und aus welcher in welche Erfahrung. Die Erfahrung mit Städten. Alle sind Dörfer. Nein, nicht die Städte, aber die Erfahrungen. Und in den Gedichten von Frank-Wolf Matthies dreht es sich radikal nicht um die alte Antwort:... 
Huhn oder Ei. Die Frage ist: Wenn nun aber vor dem Wort Mensch das Wort Friedhof war; was dann? Die Angst ist vorbei, verflogen, dahin, und ist nur schlimmer geworden: Die Angst der Vergangenheit, die der Vergangenen. Wir schlagen alte Adreßbücher auf und entdecken von einer Begegnung einen übermäßigen Rest fremder Schrift. Jemand hat sich uns eingetragen: Da draußn is Frühling, nur, wie gelang ich vorm Winter dahin. Dies ist einer der Sätze, in denen das, was zu sagen ist, seine erinnernde Form gefunden hat. Denn so selbstverständlich wie die Worte scheinbar von den Sätzen aufgerufen sind, Verse zu bilden, erscheinen sie vor jenem Spiegel, der an ihrer Herkunft zerbrechen würde; wie ein Gedicht zersplittert ohne jene Zeit, die man vielleicht die immer andere Hälfte des Lebens nennen könnte. 
S. Anderson

 

ADRESSEN 
 
Adressen 
Gnade der Erinnerung 
dem Fluchloch entrissen 
Im Treibsand der Zeit 
Staub aus Vergessen 
Nacht für Nacht Wiedergeburt. 
Profanes Verrecken der Tage 
Feiges Gewäsch weit und breit 
Erkaltet das Herz in der Klage 
Träume winselnd verhurt.

 


Frank-Wolf Matthies: Aeneis 
Roman, 
ca. 400 Seiten;

20 €, 37,- SFR, ISBN 3-910161-77-4 

 
Wie einst Ginsberg kündigt Matthies im aggressiven Ton seine Aversion gegen den anonymen Moloch Staat an. Die an Hofmannsthals berühmten Chandos-Brief (1902) erinnernde, von vielen seiner Generationsgenossen in der Prenzlauer-Berg-Szene heraufbeschworene Sprachkrise bleibt bei ihm jedoch aus. Statt dessen verfeinert er seine sprachlichen Agitationen in der Form politisch-engagierter Klartexte, nistet sich in der kulturpolitischen Ruine ein und erklärt den Ostberliner Stadtbezirk zum "Freistaat des Skurrilen". In den Texten, die er in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre schrieb, treten Matthies`fiktive Figuren - ins Handgemenge der Macht geworfen - als Sprachrohr ihres Schöpfers auf. Dabei bietet sich die Arena der Subkultur als Verstärker seiner Stimme an. Urbanität, Mobilitätssucht, Hedonismus und Außenseitertum bestimmen die Szenerie, in der immer wieder der Beat-Habitus glorifiziert wird. Der Dialog mit der Literatur der nordamerikanischen BeatGeneration findet jedoch selten direkt statt. Die meisten intertextuellen Korrespondenzen sind aus zweiter Hand, d. h. angereichert von jenen Schriftstellern aus Ost und West, die als deutsche Vermittler des Beat bezeichnet werden. Insbesondere die Wahlverwandschaften mit Wolf Biermann, Adolf Endler und Rolf Dieter Brinkmann sind prägend für das Schreiben von Frank-Wolf Matthies. 
Die Brisanz der Matthies´schen Poesie und Prosa liegt nicht so sehr in der epigonalen Tugend, sondern vielmehr in der Hartnäckigkeit, mit der der Autor sein Sujet durch die Jahre hindurch präsentiert. Dabei hat er nur ein Thema: Prenzlauer Berg. Auch nach seinem "freiwillig-gezwungenen" Umzug nach Westberlin im Januar 1981 klammert er sich an die Beschreibung bzw. Simulation dieses Topos fest. In der Zeit nach dem existentiellen Bruch, als er die Ahnung des Subkulturellen wenigstens fiktiv wiederzubeleben versuchte, manövrierte sich dieser Ost/West-Beatnik außerhalb des Rahmens jedweden literarischen Kanons. 
Gerrit Jan Berendse 

 


Die unendliche Wüste unbeschriebener Blätter mit den verschlungenen Schlurfpfaden 1 taumelnden Besessenen zu bedecken heißt: die Außenwelt entleeren. Alles lebende=und tote=Inventar in die Innenwelt versetzen, daß diese ausgestattet und bewohnt sei: nach der eigenen=Vorstellung, dem eigenen=Geschmack. Vergleichbar vielleicht dem Elternhaus, aus welchem dem flügge gewordenen 1/2=wüxigen (welcher im selben Moment, da er diesen Ort verläßt, aufhört, Kind zu sein) gestattet wird, die ihm liebsten Dinge mitzunehmen... Stück für Stück... bis Er sich eines Tages fragen wird, welches Interesse wohl Jemand noch haben sollte, diesen Ort aufzusuchen, da man weder vertraute Gegenstände noch vertraute Personen ...noch Erinnerungen vorfinden wird. Und tatsächlich hat niemand 1 wirkliches Interesse am Fremden; es ist stets die Sehn=Sucht des Wiedererkennens, die uns das Vertraute scheinbar verlassen läßt. Der Ort, solchermaßen seiner Mythen verlustig gegangen, ist also - beinahe - zu 1 beliebigen geworden.

 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger