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Susanne Schleyer
 
Papenfuß: SBZ-Land und Leute
Gedichte
mit Zeichnungen von Silka Teichert 
ca. 80 Seiten;

Edition Galrev, Bandnummer 50 
10 €, 19 SFR
ISBN 3-933149-02-9, Warengruppennummer 1 150 

von diesem Buch erscheint eine Vorzugsausgabe mit einer CD von "Herbst in Peking" und einer Grafik von Silka Teichert in 50 signierten und numerierten Exemplaren zum Preis von 75 €, 134,00 SFr

Soja

Mors
ex Nihilo
 


mov, ca. 1.600 K 

Bert Papenfuß wurde 1956 in Reuterstadt Stavenhagen geboren. Er ist seit 1980 freischaffend und arbeitet als Dichter seither mit Malern und Musikern zusammen. 1988 erhielt er in Lana (Südtirol) den N.C. Caser-Preis und 1991 den F. C. Weiskopf- Preis in Berlin. Er lebt in Berlin. 

Veröffentlichungen:
HARM. ARKDICHTUNG 77, KultUhr Verlag 1985; ICH FÜHLE MICH IN GRENZEN WOHL, S. Anderson, St. Döring, B. Papenfuß, mit Lithografien von Ouhi Cha, Mariannenpresse 1985; DIE FREIHEIT DER MEERE mit Siebdrucken und Handzeichnungen von Strawalde, 1986; DREIZEHNTANZ, Aufbauverlag 1988 und Luchterhand 1989; SOJA, mit Wolfram Adalbert Scheffler, Druckhaus Galrev, 1990; TISKÉ, mit Steindrucken von A. R. Penck, Edition Staeck sowie durchgehend illustriert für den Steidl Verlag 1990; VORWÄRTS IM ZORN, mit Strawalde, Aufbau Verlag 1991; LED SAUDAUS, mit 70 vom Autor gezeichneten Emblemen, Janus Press, 1991; NUNFT, illustriert von Endart und mit einer CD des Novemberklub, Steidl 1992; NAIV, TILL, HARM, die ersten drei Lieferungen der Gesamtausgabe, Janus Press 1993.  


Presse:
„Gottseidank verfügt Papenfuß über einen unbändigen schwarzen Humor und ein erfrischend vulgäres Vokabular, daß einem warm ums Herz wird. Sinneinheiten gehen schon mal über die Wortgrenzen hinaus. Sein Outcast-Quälgeist ist geblieben... Was Teufelchen Vormittag, das ist Teufelchen Nachmittag. Seine Texte, sagt Ernst Jandl, darf man sich nicht entgehen lassen.“ 
Rostocker
Kulturspiegel


"Papenfuß entwickelte ein scharf aus der vorhandenen Sprache ausgeschnittenes Idiom, das unverwechselbar ist, denn er ging methodisch vor. (...) Ein solcher Sprechakt ist im Kern aggressiv, denn er attackiert das System der Bedeutungen und damit Wirklichkeit." 
Sibylle Cramer in der WDR-Sendung "Meinungen über Bücher" vom 3.11.94


Sein neuer Band  SBZ- Land und Leute hat  - unabhängig davon, wie man zum Inhalt seiner Vertriebenenpoesie Steht  - erstaunliche Qualitäten. Er ist von einem neuen, frischen, rauhen und bedenkenlos berlinernden volksliedhaften Ton durchzogen, der manchmal an die ganz ollen Deutschen erinnert, so Schwank- und Schankdichtung, ausgehendes 16. Jahrhundert. 
Wilhelm Pauli, Kommune 5/1998


"Papenfuß gehört zu den wenigen deutschsprachigen Dichtern , die ihren Lesern keine nachdenklichen Pastelle vorsetzen, sondern einen aufregenden Wort- und Denkdschungel" 
Dieter M. Gräf / Basler Zeitung 

„ Fußend auf dem Fundament der deutschen Tradition“, wie ihn Ernst Jandl  „als einen Dichter ersten Ranges“ bezeichnet, ist er der Sprache auf der Spur, wie sie auf der Straße, in der Kneipe oder in den Medien herrscht. ... Sprache und Sprechen hat für ihn mit Musik, Tanz und Emotion zu tun. Wenn er auf Lesungen  seine vertrackten Texte hinausröhrt, ... dann fetzt die Avantgarde: ein Hin und Her zwischen Sehnsucht nach einem Wir - Gefühl, gesellschaftlichem Ausstieg, politischer Resignation über die neue und die alte Welt, lyrischen Metaphern und unflätiger Aussprache.... doch selbst in den abstraktesten Texten, im größten Hokuspokus ist noch Inhalt, Sinn, Widerspruch zu spüren. Seine wichtigste Intention ist „die Ent - Täuschung“. In dem Sinne, daß eine Täuschung durchschaut wird, man klar sehen kann.“
Martina Wagner / Der Tagesspiegel 

Der prenzlauer „arkdichter“ steht am Grab der DDR und besingt den Sozialismus,der tot ist und weiterlebt in den Menschen. „Ob der Tod die Freiheit ist“, das ist die Frage, die geklärt werden soll.... Die Gegenwart wird unterwandert von einer Zukunft, die aus der Vergangenheit stammt. Was unterging, der Sozialismus, wartet im Stall der Geschichte auf seine Stunde.......  Neben Grünbeins Urlandschaft der Geschichte, in der Gegenwart beides ist, Nachhut der Vergangenheit und Vorhut der Zukunft, rückt das sozialistische Fortschrittsmodell, neben Grünbeins Selbstbildnis als Urne einer künftigen Vergangenheit die Banditengestalt von Papenfuß. Zwei Stimmen, die den geteilten deutschen Verhältnissen Ausdruck verleihen – und mehr. Kraft und Schärfe der Gesellschaftsanalyse sind Faktoren künstlerischen Gelingens, das verraten sie auch.“ 
Sybille Cramer / Süddeutsche Zeitung 


Bert Papenfuß ist sicher derjenige Dichter unter der verbliebenen Schar der Poeten der "Prenzlauer Berg Connection", der am schwersten anzutreffen ist - physisch und geistig. Er ist eine schweifende Existenz, poetischer Kamikaze-Flieger, lebende Bombe, unsicherer Kantonist. 
Seine neuen Texte aus dem Kontemplationslager SBZ sind ein erneuter Anlauf gegen den Stillstand - gegen die Gier- und Lustlosigkeit, gegen Frust und Langeweile in der arbeitslosen Gesellschaft. Wenn nichts fließt, alles stockt, dann muß er auf poetische Spurensuche gehen, soldaten der resignation mobilisieren, zur Not bis zurück zum urknall.. 
Der Dichter taucht bewußt tief in die prenzlauer republik ab - seinem Basislager, um von hier in weiten Schwüngen der kompostierung des blühenden lebens zu entgehen. 
Ein Programm hat er schon lange nicht mehr, hier wird gefickt, gezeugt, gesäugt, in den kampf geschickt / & ums leben gebracht; das ist wohl der sinn, mehr ist nicht drin, doch seine Vorliebe fürs Spontane, Anarchische, Umtriebige, Umwegige steht in den Gedichte, spartanisch & martialisch. 
Kaum ein Dichter kann über Sexuelles derart ungeniert, unpeinlich und bis in die abstrusesten Verästelungen hinein schreiben wie Papenfuß. Doch politisch ist er auch dort noch, wo er scheinbar privat ist. Und welcher Dichter bringt schon solche großen Worte ins Gedicht wie Kapitalismus, Anarchie, Neurotransmitter, oder Selbsterhaltungstrieb? Bei Papenfuß werden sie durch furiose sprachzustände gejagt, bis sie so klein geworden sind, daß sie wieder in den Mund passen, also ins Gehirn. 
Gegen das allerorten wuchernde Gebot der Fröhlichtuerei: wir bewegen uns in quatschworten ­ sind Papenfuß´ Gedichte alles andere als witzig oder lustig; eher sind sie die manchmal komischen, manchmal bitter ironischen früchtchen der furcht. 
Das ist alles sperrangelweit offen und wie auf der Hand liegend, der Papenfuß-Sound dröhnt einem in seinen vielen Varianten entgegen. Wieder einmal zeigt sich der Autor als ein Wortequilibrist, der mit seiner Dichtung ganz nah heranrückt an die Dinge und Zustände der Zeit. was fließen muß, muß, und was sein muß, muß ­ und kann sich ­ weder poetisch noch sonstwie ­ vermeiden lassen. 
Peter Böthig 



bitter fällt der regen auf den weg 

das nationale aufbauwerk, kunsthunger & formwille
schlugen schwer auf die brille; der sozialistische
realismus war kategorisch, der städtebau konfrontativ
wir schwelgten im farbenfrohen rausch des wiederaufbaus 

ungezwungen das geschlecht & billig ist das steak 
bitter fällt der regen auf den weg 
kommunismus ist fleisch 

& das fleisch kommunismus; durchgreifende verschickung 
& ausgeklügelte formalistenjagd hielten uns in schwung 
auf dem aufmarschfeld des busen-, bauten- & bildersturms 
ersannen wir den plan der höhendominante des sozialismus 

ungezwungen das geschlecht & billig ist das steak 
bitter fällt der regen auf den weg 
kommunismus ist fleisch 

& das fleisch kommunismus; monumentalpropaganda auf trab 
umerzogene poliere können häuser versetzen, unteriridische 
flußläufe umleiten & begradigen - & volkpaläste errichten 
zu spät: zentrale übergebäude, soweit das kämpferauge späht 

ungezwungen das geschlecht & billig ist das steak 
bitter fällt der regen auf den weg 
kommunismus ist ätsch 

& nicht bäh - eine kinderkrankheit des anarchismus

 
Soja
Zeichnungen: Wolfram Adalbert Scheffler 
128 Seiten;

12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-910161-01-4 



Dieses Buch wird in dieser Form hier das erste Mal so veröffentlicht wie es vom Autor konzipiert war. Das Manuskript ist in den Jahren zwischen 1978 und 1981 entstanden. Druckhaus Galrev möchte darauf besonders deswegen hinweisen, da selbst im Innentitel verpasst wurde, diese für korrekte Rezeption wichtigen Daten zu plazieren.
Die Gedichte von Bert Papenfuss-Gorek sind Materialisierungen des Verhältnisses zwischen Sprache und Sprechen. Ob man dieses Verhältnis nun als sexuell, theoretisch, spielerisch verneinend, polygamistisch oder, im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Geist und Macht, widersprüchlich erkennt, muss eine Frage der Phantasie oder des Abstraktionsvermögens des Lesers bleiben. Sie hat mit dem Text nichts zu tun. Allein die epische Gestalt der neun Zyklen des Buches SOJA und die konzeptionelle Dimension bieten unzählige Möglichkeiten des Einstiegs in jede Ebene des Lebbaren.
Mit dem Einstieg in die Problematik der Gedichte dieses Dichters ergibt sich zwar immer noch nicht die Chance, ihren Charakter einzugrenzen, aber wenigstens etwas von der Vielfalt des Eigenen zu erfahren. Wolfram Adalbert Scheffler ist mit einer Serie von dreizehn Überzeichnungen dazwischengestiegen.
S. Anderson, 1990 



In Kreisen der Mitwisser wird gesagt, daß das, was der Dichter thematisiert, sein unbewältigtes Problem sei. In der Kunst wird im Rahmen der sogenannten Moderne, sozusagen, seit SIE (die Kunst) frei vom Auftrag ist, die Form thematisiert. Die Dichtung hat einiges in dieser Richtung versucht, aber es ist sofort von der Musik (auch vom Bild), quasi von der expansiven Gebärde okkupiert worden. Das Denken wurde als formal zu behandelndes Medium ausgeschlossen. Ein Horror für die literarischen Lektoren in Deutschland ist der "theoretisierende" Text. Usw., usf... Theorie bedeutet ja aber aus menschlicher Perspektive nichts anderes, als sich fort-, sich weiter-, sich ausdenken. Und "Dichtung" heisst in diesem Zusammenhang, diesen Prozess zu rematerialisieren. Scheiss Physik



Mors ex Nihilo 
EIN POEM IN 3 TEILEN UND 484 VERSEN 
Zeichnungen: Jörg Immendorf 
48 Seiten;

10 €, 19 SFR, ISBN 3-910161-56-1

Von diesem Buch erscheint eine Vorzugsausgabe mit Originalgrafik von Jörg Immendorff in 100 Exemplaren, signiert und numeriert



Modernes Leben mit Zeit und Sklaven im Café Brrrd, irgendwo zwischen Shoppy Mobil und Angela`s Beauty Eck. The first budget cut is the deepest. "der schnaps ist kurz, doch das bier ist lang", prologiert es mecklenpapenfußig. Jeder Deutsche ein Getränkestützpunkt, jeder Magdeburger ein Herrentagsmensch, jeder Bumbdskmpzlr eine Display-Attrappe, Papenfuß hingegen ein hier & da geselliger GELD-Macher, der insonders der nachtnächtlichen Generous Elegance of Language Derridadaism schuldig ist. "Jeder Anschlag gelingt", streckt sich das Farbband. "Ich bin Anarchist", sexpistolt & haßfurzt Papenfuß gegen "das gesocks an hülfsbullen, blockschwarten, gerichtsbrettbohrern & sonstige kontrollorganmetastasen". Um anschließend die eigene Attitüde, dieses ständige Hin und Her zwischen dem Hang zur lebens- experimentellen Selbstoffenbarung, zur Geld- ist- Kommunikation- Piaffe, zum Bürgerschrecklichen, zum selbstreflexiv-humoresk Hedonistischen ziemlich klasse auf den Punkt zu bringen: "...wut, warten, wasserrohr; karma & karriere (...)"
"Ich kenne überall Leute, aber die wissen, Papenfuß will auch mal allein rumstehen." Lassen Sie ihn. "Er träumt Wörter", vertraut Frau Voigt ihrem PC an. Daher mein Glücksrat: Man nehme ein S, ein R, ein M, ein X, ein H und ein N. Und kaufe ein O, ein I und ein E. Und gewinnt einspruchslos vierundreißig nünftig-zünftige Attentate von Schreckschußkommandos & von Damen vom Berge, Tode durch Propangasbrand & von Proletenhand, durch marodierende Sparschweine gar: den Konsens des Kerzenzündelns störende SprachAttentate, HeavyMetalyrik, geschrieben im Rauschen des torpedokäferschnell gezapften Hopfensaftes, ein Handfeuerlangvers insonders aber wegen DAX-hohen Überhanges von Schnarchsäcken & Siegesmarschschrecken.
"Can I help you?" "You the librarian?" "Yo." "Cool. Later. Peace." 
Jürgen Schneider 



prolog auf dem schirm 
"der schnapps ist kurz, doch das bier ist lang" genossen, unterdruß im unterschlupf, kameraden, verrat ist unaufhaltbar; kollegen, lassen wir uns nicht lumpen: alles wird teuer, wir aber, im einklang mit unserer zielgruppe, senken unsere preise: das kapital ist machbar, herr nachbar, "big bank take little bank": bekannt durch fresse, buschfunk, rundfunk & teleflax: sarg-discount christburger bietet an: selbstbestattungen aller arten, erledigung aller formalitäten, sämtliche pietätsartikel, drucksachen, blumendekoration, heraldische elemente, überurnen, memoiren, literarischer nachlaß, copyright-probleme, auf wunsch hausbesuche: sargmodelle für feuerbestattungen ab 1.398,00 dm, massiv windflüchereiche: supersparmodell für erdbestattung, typ "holger meins" ab 123.456,78 dm, massiv kiefer, bleiummantelt: seebestattung in piratenkostümierung (zuzüglich feuerbestattung & salutschießen) ab 2.643,55 dm: in den institutskosten enthalten: sarg, deckel, ...



Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger