mov, ca. 1.600 K

 
Foto:
Susanne Schleyer
 
 
Jürgen Ploog: Straßen des Zufalls 
über William S. Burroughs
mit Fotografien aus dem Archiv des Autors
und dem Allen Ginsberg Archiv
 
ca. 120 Seiten;

Reihe: Erzählungen im Druckhaus Galrev,
Bandnummer 14
 
12,50 €, 23,00 SFR 
ISBN 3-910161-94-4, Warengruppennummer 1 150 
 
 
Der Raumagent

Presse: 
 
"Einer breiten Öffentlichkeit wird Jürgen Ploog trotz seiner ansehnlichen Buchproduktion kaum bekannt sein. Dennoch kann er sich einer festen Lesergemeinde, den Freunden der amerikanischen Beat- Literatur, um die Autoren William S. Burroughs, Harold Norse, Allen Ginsberg und Jack Kerouack, sicher sein." 
Kai F. Böhne, Basler Magazin 
 
"Keine subjekttriefende Innerlichkeit, keine öden Wortspiele, keinerlei plumper Symbolismus - immer nur die Fähigkeit, durch einen schnellen Schnitt, Gangart, Ort und Objekt der Schrift zu ändern. Endlich einmal avantgardistische Literatur, die den Leser in Atem hält." 
Bernd Zirfas, Contraste 
 
"Daß man ihn "Graue Eminenz des deutschen Untergrunds" nennt, hört er nicht gerne. Dabei ist er für die Szene hierzulande als Vorbild sehr wichtig gewesen. Als Intimus von William S. Burroughs zählte er zur deutsch-sprachigen Avantgarde der deutschen Cut - Up-Schreiber, mit seinem Magazin "Gasolin 23" setzte er einen bis jetzt fast unerreichten Standard für Underground - Zeitschriften" 
Hadayatullah Hübsch,
Journal Frankfurt
  


Mit Burroughs hat sich seit der deutschen Erstausgabe von Naked Lunch (1962) keiner so kontinuierlich beschäftigt wie Jürgen Ploog, und kein anderer deutschsprachiger Autor hat sich die Sehweise und Schreibmethode des
damals noch verfemten Amerikaners so entschlossen zu eigen gemacht. Das macht das Buch von Ploog nicht nur wichtig und lesenswert, sondern auch außerordentlich anregend und interessant. 
Es ist mehr als eine Sammlung von Essays, denn Ploog praktiziert auch hier ganz selbstverständlich die Gleichrangigkeit und das Ineinander von Fiktion und Reflexion, literarischer Erfindung und spekulativem Diskurs. Was nur diejenigen irritieren wird, die außer dreimal vorverdauter linearer Hausmannskost nichts mehr absorbieren können. 
Carl Weissner 
aus dem Vorwort der 1. Auflage 

 

Wenn ich von meiner eigenen Schreiberei aufschaue, all den zerschnittenen & nicht zerschnittenen Seiten, dem Straßenlärm während des Ramadan-Festes in Karatschi, den baufälligen Kathedralen von Goa, den klapprigen Mühlen auf irgendeinem verlassenen Flugfeld eines erdachten Kontinents, den vermummten Gestalten im Schein von Karbidlampen auf den Gehsteigen einer orientalischen Stadt, den Bildern auf dem Radarschirm während einsamer Nächte im Cockpit, dann sehe ich, wo alles begann, damals in den 50er Jahren ... 
Es war nicht der Panzerkreuzer Potemkin, auf dem ich den Atlantik überquerte, sondern ein Dampfer mit dem nicht weniger bedeutsamen Namen S. S. Independence. An einem diesjenigen Augustmorgen des Jahres 1952 tauchte die Skyline von Manhattan am Horizont auf & meine Reise begann ... 
Bis dahin hatte ich meine Tage in einem langweiligen Vorort von München verbracht, wo sich nichts tat, ausser dass alles, was ich betrachtete, mit nichtssagender Endgültigkeit zurückstarrte, bis mir schliesslich klar wurde, dass es nur einen Ausweg gab, & der hiess abhauen, das Weite suchen. Ich bin dann in einem Stadtteil von Pittsburgh, Pennsylvania, gelandet, der sich Brentwood nannte & drehte an Samstagnachmittagen das Radio voll auf, wenn eine Sendung lief, die den Big Bands gewidmet war, was schon ein Fortschritt gegenüber den Wunschkonzerten des Bayerischen Rundfunks war. Giftiger Efeu, Fliegengitter, eine anonyme Nachbarschaft & sommerliche Hitze, die auf den Hügeln lag. Auf den ersten Blick konnte ein Nachkriegsdeutscher von den Staaten beeindruckt sein. Neue breite Strassen quer durch den Kontinent ... Supermärkte, blitzende Restaurants, gute Bedienung. Einen Wagen zu haben, war selbstverständlich: Kurz, ein Hauch von Vorkrieg oder Nichtkrieg, den ich nicht kannte. Trotzdem spürte ich einen 
subkutanen Riss, der nicht tief genug war, um die Oberfläche der Wirklichkeit zu erreichen. Ich ahnte ihn, auch wenn ich nicht wusste, woher er kam. Er war wie ein Schatten, den ich aus Europa mitgebracht hatte. Nehmen wir an, dass ich ein paar Seiten von Gottfried Benn in den Fingern gehabt oder die eine oder andere Passage von Sartre oder Camus sich in meinem Gehirn festgesetzt hatte ... wahrscheinlich war es weniger etwas Gelesenes, als meine unmittelbare Erfahrung mit dem Mief postfaschistoider Umgebung, der ich in allen Variationen ausgeliefert war. Nicht die Ideologie, die noch immer in den Köpfen spuckte, sondern ihre psychologischen Ausscheidungen in Form von Reglementierung & Repression.





Jürgen Ploog: Der Raumagent 
mit Rauminstallationen von dead chickens 

Reihe Erzählungen im Druckhaus Galrev, Bandnummer 3 
120 Seiten; 12,50 €, 23,- SFR
ISBN 3-910161-46-4 

Von diesem Buch erschien eine Vorzugsaugabe in 100 Exemplaren mit signierter und für diese Ausgahe hergestellter Telefonkarte von dead chickens. 
75 €, 134,- SFR

 

Jene Bilder, die der Film ( die Technik des Films, sofern sie nicht seine Idee ist ) zeitlich aufhebt, werden im textlichen Rahmen Schemen eines Denkens, das Licht auf die Komposition der Dinge wirft... Wörter... Satzfetzen... aus den Bewegungen fallend wie aus dem Wind. 
Trittst du ein in dieses Bild, bist du verschwunden, denn "Zeit sagt mir nichts", was ja nur bedeutet, gibt nichts wieder, wirft nichts zurück. 
DER RAUMAGENT, dieses imaginäre Du und nur noch die Ahnung einer veräußerten Wahrnehmung. Anders gesagt: in der Prägung vergilbende Spur eines Namens, auf der Rückseite einer Kinokarte, aller Karten für schon dieses Drehbuch, die Adresse Godots wie die Werbung für eine der anliegenden Bars namens P. Virilio. 
Aber das ist ja das ganze Problem. Irrelevanz. Nichts dahinter, nichtmal Wiederholung, so sehr ähneln sich die städtischen, die Erde verkrebsenden Zigmillionengeschwüre inzwischen. Aber "Was die Bilder, von denen ich sprach, verbindet, ist der leere Raum", der, nachdem die Kopie abgelaufen ist, als verlassen gilt; abgesehen von jenem leichten, expandierenden Hauch Jil Sanders oder Lolita oder Luzi oder wie sie gerade heißt... 
S. Anderson 

 

"Zeit sagt mir nichts. Mit geschlossenen Augen liege ich da & versuche mich in den Störungsfeldern zurechtzufinden, die zwischen erfundenen und erinnerten Bildern oszillieren. Such dir eins aus.... jugendlich schlanke Körper, die sich im Vorbeigehen kurz berühren.... ein verschnürtes, weißes Päckchen geht blitzschnell von Hand zu Hand... das Singen unsichtbarer Drähte... wie von einem Stromstoß erfaßt, reißt die Frau sich los... ich spüre die gleitenden Bewegungen ihrer bläulichen Zunge... mit einem kühlen, tiefen Seufzer läßt sie mich los... das Handtuch rutscht ihr von den Hüften... ich folge ihr Backsteinfassaden mit feuerleitern entlang durch ein Gewirr dunkler Gassen bis in ein leerstehendes, abbruchreifes Haus mit ausgehängten Türen in eine verlassene Wohnung... ein kaputter Spiegel lehnt an der Wand... Licht füllt durch die Rippen einer Schiefhängenden Jalousie... etwas metallisches blitzt auf in ihrer Hand... ich habe keine Ahnung, wer sie ist, ich sehe ein Stück nackter Haut, es hat einen matten violetten Glanz... 
Jetzt, wo ich weiß, daß es ein Netzwerk von Traumhändlern gibt. Manche behaupten, daß sie sich einer Droge bedienen, um ihren Einfluß zu sichern. Mir scheint, daß das bloß eine Fassade ist, ein Cover, denn heute gibt es andere Mittel. Mit Schnappschüssen von Pipo & der elegant gekleideten Frau, die jeden Abend im Skyline auftaucht, versuche ich mir Zutritt zu ihrer Organisation zu verschaffen... 

 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger