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- Immer-
währende
Hanglage
Stiere
Große
beruhigte
Körper
Finsternis
Der zweifel-
hafte Ruhm
dreier Dichter
Der Kasten
Neunzehn- hundert-
fünfund-
sechzig
Schwarzland
Ulrich Zieger
wurde 1961 in Döbeln/Sachsen geboren und lebt in Montpellier.
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Veröffentlichungen: neunzehnhundert- fünfundsechzig, gedichte; Der zweifelhafte Ruhm dreier Dichter, Prosa; (beide edition qwert zui opü). Große beruhigte Körper, ein Poem, (edition galrev); Immerwährende Handlage, drei Stücke, (Druckhaus Galrev); In der Finsternis, Erzählungen im Druckhaus Galrev; Schwarzland, ein Poem, (edition qwert zui opü - auch als CD); Die Hügel vor den Städten, Hörstück von Ulrich Zieger und Bert Wrede, CD.
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Presse:
- Die Gedichte grenzen manchmal an ein mythisches Raunen, sie
scheinen Fragmente einer größeren Sprache, einem unaufhörlichen
Text abgelauscht, etwa wie die Romantiker ihre Lieder dem Rauschen der
Bäume "abgehört" zu haben vorgaben, jedoch einem Rauschen mit
erheblichen Störungen.
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Peter Böthig in: Moosbrand 4, 1996
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..."Ulrich Ziegers Gedichte waren von Anfang an grandios
ignorant gegenüber dem hingehaltenen Knochen eines scheinbaren Gegenstandes
für unernstes, scheinbares Denken".
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Uwe Kolbe in seiner Laudatio auf Ulrich Zieger anläßlich
der Verleihung des Nicolas-Born-Preises
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1991
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"Ulrich Zieger ist ein kühner, radikal arbeitender Schrifsteller,
seine Freilegung der Wurzeln, meinem Freund b. (1961-1965) gewidmet,
ist einer der wichtigsten Lyrikbände der letzten Jahre.
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Basler Zeitung
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(...) Mehr noch als in neunzehnhundert-
fünfundsechzig wird der Band Der zweifelhafte Ruhm dreier Dichter
zur Vermutung Anlaß geben, daß sich hier eine DDR-Literatur
der nächsten Jahre ankündigen könnte, die jenseits der "notdurft
der schilderungen" die entschwundene Wirklichkeit jenes Staates als Material
für eine Dichtung bearbeitet und die dazu zwingt, das Verhältnis
zwischen politischer, alltäglicher Wirklichkeit und der poetischen
Antwort von Osten her wieder neu zu überdenken.
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Sieglinde Geisel in NZZ, 9./10.11.
1991
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... "In der Distanz zu Deutschland , zu der Ost-Berliner
Szene Prenzlauer Berg, der er sich seit 1985 zugehörig fühlte,
schrieb er ein kleines Meisterwerk über die Angst seiner Generation,
über Treue und Verrat: Die Erzählung Der zweifelhafte Ruhm
dreier Dichter. Wenn es eine DDR Identität gegeben haben soll,
dann ist sie in diesem Buch zu finden. Und sie sieht ganz anders aus, als
sie sich Stefan Heym vorstellt; denn, so schrieb Zieger, auch Asche
ist lesbar."
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Die Welt
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"Im französischen Montpellier, wo der 34jährige
heute lebt, entstand die Erzählung Der zweifelhafte Ruhm dreier
Dichter, die Geschichte der Angst, sich im Stasi-Staat zu verraten.
Seine Bücher gehören zum Besten der deutschen Gegenwartsliteratur."
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Die Welt
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..."Der Rückgriff, wie er von Zieger praktiziert wird,
bedeutet die einzigartige Möglichkeit, die Dinge in ihrer Essenz zu
begreifen, eine Übertragung des unbestechlichen Blicks im die Realität
der Sprache.
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Die Welt
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Facettenreiche Gegenwartsfragmente, Geist und Seele unvergessener, entschwundener Wirklichkeiten, ein Erkunder des Gewesenen war ausgezogen, um Land zu finden. Er berichtet nun vom neuen Gesicht der Vergeblichkeit:Vier Hefte, |
ein Band, drei Genres, zwei Richtungen, vorwärts und rückwärts, aber auch zwei Zeitebenen, damals und heute , realsatirisch aufeinander bezogen.
Eröffnet wird der Band durch die Erzählung „Vom Ende
eines langen Gesprächs“; vom Preis der (Lebens-) Lügen ist darin
die Rede, von der Unmöglichkeit , diese und ihre Träger in ihrer
Zeit zu erkennen und von der Leere, die jede spätere Erkenntnis anstelle
einer welchen Sinn auch immer gebenden Klärung vorfindet.
Das auf die Erzählung folgende Bühnenstück ist in zweifacher
Hinsicht der Ort der Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart: „Über
die Mandelbrotmenge“, im Jahr 1993 in einer früheren Arbeitversion
bereits am Schiller Theater aufgeführt, erscheint nun in endgültiger,
1998 überarbeiteter und erweiteter Fassung und ist somit nicht nur
fiktiv ein solcher Ort, sondern auch ganz konkret, als aktuelle Arbeit
am gereiften Sediment.
Knöcherner Witz und Freude am Komödiantischen prägen
die Szenen, die den Daseinszustand in der übersättigten Informationsgesellschaft
beschreiben: als gekonnt ad Absurdum getriebene Parodie telematisierter
Existenzen wechseln sich Dialoge, Landschaften und Figuren in wildem Reigen
ab, um sich zu Beginn des balladenhaften Epilogs sanft aufzulösen,
während neue Gestalten, von denen zwei sich aus einer früher
gewesenen, erloschenen Wirklichkeit kennen, eintreten, ihre Entfremdung
festzustellen. Es bleibt beim alten Fazit: Verschwinden. Neues Land suchen.
Anderes Ufer, Abschied nehmen.
Elegisch auch der letzte Abschnitt des Bandes: die Gedichtezyklen „zu
gesetzen der migration“ und „ ;wie die ausgesandten willkommen geheißen
wurden“ dokumentieren die Gegenwart.
Auch hier verschmelzen die Zeitebenen: die Erinnerung aus der entschwundenen
Vorzeit ist in der Ferne, in der die Utopie des Möglichen am neuen
Gesicht der Vergeblichkeit allmählich zerbrach, um so mehr Wissen
und Bewußtsein geworden, das kaum Raum für Illusionen läßt.
Das Schicksal des Migranten ist tiefe, zentrale Erfahrung aus dieser
zur Gegenwart geronnenen Zukunft geworden: Wirklichkeit demontiert Hoffnung,
macht Träume nichtig, läßt ersehntes Glück dünn
und flüchtig werden. Zum leisen, leicht resignativ anmutenden
Gesang desjenigen, der die Gesetze der Migration kennengelernt hat, gesellt
sich im zweiten Zyklus das kühne, knappe Wort des Ausgesandten, der
in dieser Eigenschaft Ursprung und Herkunft neu entdeckt, um im Spiegel
der Reise erneut Bezug zu nehmen.
Eine Poesie der scharfkantigen Kontrapunkte, heftig und von wunderbarer
Zartheit zugleich, die nicht nur für den Liebhaber poetischer
Ästhetik von Interesse sein wird, sondern auch den inhaltlich
interessierten Leser bewegen und zum Nachdenken anregen dürfte.
— Kannten Sie Wissowa…
— Wissowa…
— Wissowa, den man auf der ersten Silbe des Namens betonen mußte,
immer auf der ersten, aber tat man es, war es die zweite, die dritte, dann
wieder die erste. Ich könnte nicht entscheiden, wann er mich häufiger
besuchte, im Frühjahr oder im Herbst. Während einiger Jahre behauptete
er von sich, gar nicht Wissowa, sondern ganz anders zu heißen. Ich
erinnere mich an die Namen Handkasten und Halbschuh.
— Das sind Leute, die weder einen Finderlohn auszahlen, noch
eine sonst irgendwie hinreichende Vorstellung über das Leben besitzen
und die sich auch niemals für ihre Verfehlungen und Mutmaßungen
anderen gegenüber entschuldigen, sollten diese sich erweisen, beziehungsweise
als falsch erweisen...
— Das sind Leute, die bei jedem Wetter eine Mütze auf dem
Kopf tragen, aber Kopf muß man nicht mehr dazusagen, eine Mütze
mit Knopf.
— Solche Mützen sind auch mir aufgefallen.
— Und ich sage Ihnen, das sind Leute, die kommen und gehen, die
stets etwas wegnehmen, ehe sie gehen, die lügen, wenn man sie fragt,
ob sie schon wieder etwas mitgenommen haben, die in Kauf nehmen, daß
ihre Lüge durchschaut wird, die davon überzeugt sind, daß
ohne ihren ausdrücklichen Willen gar nichts gegen sie unternommen
werden kann und an denen praktisch nichts mit der Entwicklung ihres Willens
zu vergleichen ist.
Ulrich Zieger: Immerwährende
Hanglage
Drei Theaterstücke
128 Seiten;
edition qwert zui opü gemeinsam
mit felidae
12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-910161-43-X
...Wie mit den Stimmen einer aus dem Feuer geretteten Chronik ohne Anfang und Ende sprechen Ulrich Ziegers Theaterfiguren von und mit einer Ära aus Zuständen, die ihr Leben nicht verantworten. Wie aus den Ruinen bürgerlicher Erbauungskünste geborgene Existenzen betreten sie den Raum der Auskunft ihres Überlebens, dabei die phantasmagorische Spur einer drückenden Zeitlosigkeit hinterlassend, die sie noch am Leibe haben. Es scheint naheliegend, ihre düstere, sie zeichnende Komik mit jener unvermeidlichen Surrealität in Verbindung zu bringen, die das geschichtsentleerte Bewußtsein unserer jüngsten deutschen Vergangenheit besetzt hielt. Es wäre aber verkehrt, in den traumatischen Verläufen dieser Szenenabfolgen, in den sich mitunter seltsam feierlich überlagernden Gesten von tödlich verwunderter Bedeutsamkeit und geruhsam irrlichterndem Humor, allein die Geschichte eines poetischen Pferdehandels um die Reste von vormals als gesichert gelten sollenden Identitäten zu vernehmen. Dieses Theater will weiter; seine Bühnenerscheinungen schütteln den Schlaf des Schicksals aus ihren Masken in den Abgrund zwischen Tat und Mimesis und deuten die Zukunft aus den Trümmern ihrer Träume. Und sie tun dies mit der Würde von Verrückten wie mit der Verrücktheit von Gestalten, die sich ihrer Sehnsüchte würdig erweisen.
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Andreas Koziol
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Ulrich Zieger: Stiere
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20 Zeichnungen
- als vierfarbige Postkarten, mit einem Begleittext von Jean Lafon und dem Text "Über den Fortgang des Matriarchats" von Ulrich Zieger,
Fadenheftung, fester Einband, limitierte Auflage von 500 Exemplaren vom Autor signiert und numeriert
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50 €, 90 SFR, ISBN 3-910161-84-7
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Seit
undenklichen Zeiten steht der Stier für Fruchtbarkeit und Stärke,
für Gewalt und Opfertod. Zwar ist der Stierkampf vor allem in Spanien
und in Südamerika beheimatet, aber die Faszination am Mythischen dieses
Opferns drang auch darüber hinaus. 1884 versuchte man Stierkampfarenen
in Paris einzubürgern. Die Behörden verhinderten das. Nur Südfrankreich
kam dagegen an. Der Dichter Ulrich Zieger lebt gerade dort. Und er malt
Stiere, Charakterprofile aus Erde und Staub. Da Dichter aber Bücher
machen, hat er aus seinen 19 Blättern ein kleines, kostbares Brevier
über Stiere binden lassen. Es behauptet nichts über Kunst, denn
es hat das Behaupten des Lebens zum Thema wie seine Verse auch.
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Michael Freitag
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Die freigegebene Wasseroberfläche wurde von den Knospen einer Sumpfpflanze
überragt, die in den nächsten Tagen blühen würde. Durch
die
jäh entstandene, unwirklich bleibende Stille, zog eine Herde von Stieren
in tieferes Gebiet.
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Echo erinnerte sich, während der Unterredungen auf dem gemeinsamen
Spaziergang mit seinen Gastgebern, von diesen sagenhaften Bewohnern der
Sümpfe gehört zu haben. Damals hatte er es versäumt, der
Information besonderen Wert beizumessen. Als er die schwarzen Tiere mit
den geschwungenen Hörnern jetzt in die Weite des Morgens hinausziehen
sah, begriff er, worüber man ihn hatte unterrichten wollen.
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Große beruhigte Körper
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Ein Poem in 96 Texten
- Cosmic Art: Patrice-Stellest-Stoffel
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120 Seiten;
12,50 €, 23 SFR, ISBN 3-919161-23-5
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wenn
man in diesen gedichten, damals in deutschland... gestern in gesten,
südfrankreich und amerika geschrieben, auf die ihnen eigene legende
zurückgeht, sprich liest, stösst man bereits auf der getriebenen
oberfläche in sehr tief klingende räume: türme von glocken.
das hat durchaus in der freisetzung von mehr licht einen signalisierenden
ton. so beispielsweise entsteht das spiel von abstürzendem traum in
erwachender zeile. kein alltägliches wunder. ulrich zieger arbeitet
an weiteren buchstaben, ohne das x zum u zu machen. so ist er auf der seite
des gesangs und bewegt sich in laufenden gefahren: in sechsundneunzig gedichten
um die welt, die ein versprechen ist. was unberührt klingt, wird festgehalten.
weit entfernt von protokollarbeit. anders: grosse beruhigte körper
können besonders den wind fangen und geschichten in der luft verstecken.
so entstehen stürmische landkarten. dem leser rate ich zu tapferen
schuhen. der weg, the songline, ist ein kreisen mit mehreren kerzen
für all jene, die vorausgegangen sind: in memoriam Jeffrey Miller,
W.v.d.V., Nelly Sachs, Danilo Kis, Jan Scacel; dazu ein teilbares wir an
unserer seite.
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Egmont Hesse
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XIII
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sie kannten sich ungefähr
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weiter von früher,
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verhielten sich einer gealterten
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sammlung von bildern sehr ähnlich,
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es waren dies schweigende laufende
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hockende dies waren wachsende
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oft sehr behäbige bildwerke
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aufgetürmt be tomb by sea-board,
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so in verklungenen stuben
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aus denen sie aufstanden
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leider zu sagen
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und demnach
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und schade,
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In der Finsternis
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120 Seiten;
12,50 €, 23 SFR, ISBN: 3-910161-42-1
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Mindestens
schon aus dem Neunzehnten Jahrhundert, allenfalls noch aus der Zeit der
Nierentische scheinen diese Prosastücke über uns gekommen, nicht
nur, weil sie teils im "Jänner" gehen, teils vom möbelierten
Herren berichten. Ihr Verfasser schreibt nicht altmodisch, er ist
es, und er bringt uns jenen antiquierten Menschen wieder, der allein die
Gegenwart präzis beschreiben kann, indem er ihr Vergehen erzählt.
Er mißt die Zeit an Ihrer Zwischenzeit, die man nie besser nutzen
konnte, als in ihr mit Anstand zu verwittern. Gut zwei Dutzend unterschiedlich
helle Dämmerungsgeschichten lassen offen, ob es in die Nacht hineingeht
oder ob es eben tagt. Die Spuren solcher Nichtanwesenheit sind kolossal,
verwirren ihrer Fülle wegen, wenn sie uns in Dörfer unwegsamer
Bergregionen oder den Verfall von selbsternannten Metropolen führen.
Fährten, die der Hast nach Ruhe sich verdanken, sind vom Autor so
nie ganz zu tilgen; hin und wieder finden wir ihn in verkrauteten Beschäftigungen,
teils vom roten Wein anästhesiert, ein andermal in wilder Nüchternheit,
doch immer in Erinnerung an die Zeit, als er noch selbst den Himmel in
die Luft zu sprengen drohte, nur um neue Horizonte aufzureißen. Denn
noch immer sucht er unbeirrbar jenen Punkt am Firmament, der einem Sprengsatz
als Verankerung dienen könnte, zuverlässig, wie es sich gehört.
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Tilo Köhler
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Fahrtbeweis
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Für alle Zeit ohne den Fahrtbeweis bleiben
zu müssen,
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rief ich dem Schiffsführer zu, läßt
einen auf die Dauer
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selbst vor dem unbeweisbaren Meer noch ermüden.
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Es liegt plötzlich so taub um einen her,
daß man doch
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lieber in den Küchenschacht hinuntereilte,
sich Rum
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und gute Worte von dem Koch zu erhoffen, der stets,
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immer gegen sich selber gerichtet, als streng
gelten muß.
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Ist nicht alles verschenkt?
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Ist man selbst nicht verschenkt wie das Schiff,
seit es ablegte?
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Alle nicht auf ihre Beweisbarkeit zielende Wahrneh-
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mung, ist doch verschenkte Wahrnehmung!
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Aber der Schiffsführer spricht nie mit uns.
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Nur nicht voreilig, sagte deshalb in meinen Zorn
hin-
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ein der Ankerfänger, nur nicht schon wieder
so
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voreilig.
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Wäre die Fahrt bewiesen, wäre doch die
Müdigkeit des
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Meeres, von der wir uns kaum noch unterscheiden,
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gar nicht denkbar.
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Und wäre darüberhinaus die Müdigkeit
des Meeres in
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der Fahrt zu suchen, so wäre auch diese uns
nicht
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mehr verständlich.
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Wo aber, frage ich Sie, bliebe dann das Meer?
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Und wo bliebe auf ihm das Schiff?
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Sollten Sie jemals an Deck zurückkehren,
schloß er,
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untersuchen Sie dieses erhebliche Meer auf dasselbe,
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es muß da ein Schiff sein.
Der zweifelfafte Ruhm dreier Dichter
Bleisatz und Buchdruck, mit
Zeichnungen von Michael Morgner,
96 Seiten;
20 €, 37 SFR, ISBN 3-910161-27-8-1
- sowie eine Sonderausgabe von 100 vom Künstler überarbeiteten Exemplaren zu je 50 € (vergriffen)
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Es
ist die Geschichte dreier Dichter, die der Tod nicht wieder in die Poesie
treiben konnte, als sie es selbst verantworten wollten. Es ist ein Gedenkbuch
über das Gehen, über das Nicht-vom-Fleck-Kommen, das Verschwundensein
und das Zurückbleiben. Es ist in einer Sprache geschrieben, die so
alt zu sein scheint wie die Zeit, da die Alte Welt nach allen Seiten hin
aufbrach, und das Meer die Phantasie der Männer mit schwindelnden
Tiefen füllte, Tiefen, die oft ein Schiffbruch nur begründete.
Es ist die fiktive Chronik dreier Dichter, die sich wortüber in die
schwarze Symmetrie der einheimischen, ausweislich deutschen Verhältnisse
stürzten und mit einer unwiederbringlichen Ferne zur Gegenwart daraus
hervorgingen. Es ist die Geschichte des Scheiterns an dieser Ferne, zu
einer Zeit, wo sie der Unnahbarkeit der Gegenwart nichts mehr voraus hat,
als die verratene Gewissheit, nicht von dieser oder jener Welt zu sein.
Es ist die Legende von dem Amoklauf der Worte durch die Sackgassen einer
bis zum letzten Freiraum geschlossenen Gesellschaft. Und es ist die Nachricht
von der Entrückung dreier Gräber an das Herz des Lesers, Gräber,
zu denen der Chronist mit sanften, zum Gedächtnis entschlossenen Sätzen
pilgert, wie, um sich noch lange zu verneigen und seine Schuldigkeit tun.
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Andreas Koziol
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(...)
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Wir haben die Pflicht erledigt, die Papiere verwahrt, die handschriftlichen
Anweisungen, soweit lesbar, abgeschrieben und den Heften beigefügt.
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Wir sind durch das vergeblichste aller Gefühle, das der Trauer, hindurchgegangen,
und wir können inzwischen von gar nichts anderem mehr sprechen, als
von dem äußerst zweifelhaften Ruhm jener drei Dichter, denen
zu begegnen und die zu beerdigen uns aufgetragen war.
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Wir sind satt vom Tod...
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Das Jahr hat schlecht begonnen und es sollte nur immer noch schlechter
werden, der letzte der drei, Willert Blund, würde noch die Züge
des Erkennbaren tragen, wenn ein Ereignis heute seine Gruft zerstören
sollte.
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Es muß bald wieder einmal eine gute Nachricht bei uns eingehen, sonst
glauben wir hier oben auf Ammet zuletzt noch, daß die Welt, aus der
auch Ihr uns nur so selten ein Zeichen heraufschickt, längst zerbrochen
ist.
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(...)
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Der Kasten
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Roman
ca. 400 Seiten;
20 €, 37 SFR, ISBN 3-910161-67-7
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Ulrich
Zieger gelingt mit diesem fulminanten Block epischen Sprechens die Verdichtung
bis auf den Punkt: Alles Denkbare, Sichtbare und Sagbare konstituiert sich
entscheidend durch das, was von ihm nicht gedacht, gesehen und gesagt wird:
Ist es ein Bild des Unglücks, so nur deswegen, weil das Bild von seinem
Glück in die Archive (die des Vergessens) einer von Ausschluß
bestimmten Gesellschaft verbannt ist. Aber selbstverständlich auch
umgekehrt. Das Protokoll eines Rückblicks oder die Kriminalgeschichte
eines aus dem Blick Verschwindenden oder die Story der Zentren (oder das
Gedicht Schwarzland, als Vorabdruck und CD in der Edition qwert zui opü
bereits erschienen) oder Z., sitzend in einem sächsischen Garten nahe
der Bedeutung Voltaires: Our gardens are growing, but the question is to
till them anew. Z., wird Teil einer oft nur anonym genannten, aber ganz
sicher anonymisierenden Maschinerie, und am Ende des Suchtextes, der ihn
ans Ende der Zeit (1989) befördert, ist der Lesende in eine Geschichte
verstrickt, die er von sich selbst so noch nicht kannte; dieses Buch ist
neben Wolfgang Hilbigs ICH das zweite, welches die Institution Staatssicherheit
thematisiert und es dennoch vermag, ein literarisches Ereignis zu sein.
Jedem nur möglichen Mysterium wird sein Grund offeriert und von vornherein
wird "Schicksal" aus Entscheidungen hergeleitet, die als wissentlich zu
bezeichnen sind, auch wenn sie nicht unbedingt zu mehr Wissen führen.
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S. Anderson
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... Sie würden noch in dem menschlich gar nicht
zu erwartenden Augenblick eines Hinweises darauf, daß ich doch schon
seit geraumer Zeit aus dem Fernseher heraus in ihre Zimmer hineinsähe,
Licht geworden sei, Bild..., nur Gründe zu der Mutmaßung gewonnen
haben, daß ich in B. oder einer anderen Stadt, in einer anderen Weltgegend
gelegen, höchstwahrscheinlich jung verstorben sei. Denn aus dem Fernseher
blicke ja niemand sie an. Der Fernseher sei ja ein blickloses, eigentlich
nur irgendwie technisches Gerät. Ein Ding, welches allein durch ihren
Blick in es hinein, an es heran wenn man genau sein wollte, sich von einem
Kühlschrank oder einem Abortbecken unterschied, ...
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Neunzehnhundertfünfundsechzig
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Edition qwert zui opü
- 25 €, 46,50 SFR, ISBN 3-910161-13-8
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"Ulrich
Zieger, 1961 im sächsischen Döbeln geboren, aufgewachsen in Magdeburg,
dann zum Prenzlauer Berg abgewandert, schrieb dort in der Endphase der
DDR den Gedichtzyklus neunzehnhundertfünfundsechzig: Wiedererweckung eines Vierjährigen, den die Mutter mit in den Tod nahm. Es war Ziegers Spielgefährte.
Im französischen Montpelliers, wo der 34jährige heute lebt, entstand die Erzählung Der zweifelhafte Ruhm dreier Dichter, die Geschichte der Angst, sich im Stasi-Staat zu verraten. Beide Bücher gehören zum Besten der deutschen Gegenwartsliteratur."
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Die Welt
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Schwarzland
- 1 Gedicht und 1 Grafik von P. S. Stoffel
- ca. 48 Seiten; fester Einband,
15 €, 27,50 SFR, ISBN 3-910161-44-8
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Der Dank an die Nacht als Synonym für den Anfang. Aber gedankt wird immer hinterher. Das Poem "Schwarzland", einer der zentralen Texte aus dem Roman "Der Kasten", beginnt: "gebt mir das schwarzland zurück... "; |
doch der dies verlangt, und das in einer Sprache, die durch die Schule des Gehens ging, weiß, wie die Dinge liegen, oder wie man so schön sagt, wie die Sachlage ist. Das Vereinzelte findet selbst in verbindender Textgestalt nicht dadurch zusammen, daß die Farben ununterbrochen neu gemischt werden, sondern anhand ihres (hinter die Abbilder auf den Bildern) Zurückgehens. Daher rührt, im Gegensatz zur aufsplitternden, separierenden Tonalität der Moderne, der hohe Ton. "Schwarzland" spricht nicht von der Illusion einer Mitte, aber von deren Wunder. Auch Erfahrung und Text sind als Eines möglich und, wenn man an die verheerenden Wirkungen verwirklichter Erfahrungssucht denkt, dann ist Sprache eines der wenigen Medien, die über ihre Grenzen zu gehen vermögen, ohne Schwarz zu vernichten. An jener Stelle, da in "Schwarzland" der sprechende Text seine Mitte findet und vergottet, wird klar: dies ist das Ende. Denn es geht nicht darum, zurückzukehren, aber allemal darum, daß das, was war, vollständig in dem zu sein hat, was ist.
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S. Anderson
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ich bin bei den feuern jetzt oft, die verdunkeln wovor ihr euch fürchtet:
den tag, der die röte des taumorgens spannt zu den warnungen die uns
die vögel verheißen, die nacht, der das sprechen gehört
wenn es eintaucht in jene verachteten worte aus denen der grund kam für
unsere ängstliche liebe, die leier der welt, o ihr hört sie in
träumen die euch als vergessene gelten im stundenverrat eurer treppengehäuse,
den leib, ja ich nenne ihn leib, der in wundheit liegt wenn ihr euch abrichtet
zu euren blickübungen die der verdünnung von wirklichem licht
gelten nie aber einem gespräch das vom bleiben erzählt und vom
wiedergewinn der zu tode gezählten, bedürftigen zeit. ich bin
einsam dort draußen, wie alle die kamen auch einsame sind. wir sind
einsam in unserem haß. doch ich bin der erfinder des hasses, der
euch trifft in meinem jahrhundert.
Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger
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